Zeitlöcher in Schladming hausgemacht

15. Februar 2005, 12:57
29 Postings

Der ÖSV setzte bei den Österreich-Rennen neue Firmen für Zeitnehmung durch, das Ergebnis war ein saftiges Chaos beim Nachtslalom

Schladming - Nach dem "Nightrace" in Schladming gab es nicht nur Jubel um die erfolgreichen ÖSV-Asse, sondern auch Rätselraten über die kuriosen Pannen bei der Zeitnehmung im ersten Durchgang. Bei den Fahrten von Giorgio Rocca, Manfred Pranger und Rainer Schönfelder hatte ein Lichtschranken der für die Technik verantwortlichen Firmen Siemens (Data) und Alge (Timing) falsche Impulse ausgesandt. Eine 30-minütige Verschiebung des zweiten Durchgangs und die Korrektur der Zeiten von Rocca, Pranger und Schönfelder waren die Folgen.

Laut Alge-Boss Albert Vetter gibt es verschiedene Varianten, wie es dazu kommen konnte: ein defektes Kabel, das Flutlicht in Kombination mit dem Blitzlichtgewitter der dutzenden Fotografen oder simpel und einfach ein von einem Fan geworfener Schneeball. "Hoffentlich kommen die Leute jetzt nicht auf blöde Ideen", merkte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel an, der an die Einführung einer neuen Zeitnehmung denkt.

Swatch nicht mehr verantwortlich

Bis zur laufenden Saison hatte jahrelang die Schweizer Uhrenfirma "Swatch" für größtenteils reibungslosen Ablauf bei den Weltcup-Rennen gesorgt. Seit dem WM-Winter 2004/2005 ist jedoch bei den Österreich-Rennen die Firma Siemens in Kooperation mit Alge verantwortlich. Bereits beim Debüt in Sölden hatte es Probleme gegeben, damals waren die Zeiten verzögert übermittelt worden. Ein Mangel, der jedoch im Vergleich zum Dienstagabend harmlos war.

Aufdecker Giger

Aufgedeckt wurde der Zwischenfall von ÖSV-Herrenchef Toni Giger. Beim traditionellen Head-to-head-Vergleich in der Pause zwischen den beiden Durchgängen fielen dem Salzburger die Differenzen in der Zeitnehmung auf. "Gut, dass der Toni so genau aufpasst. Unsere Trainer haben sofort bemerkt, dass etwas nicht stimmt", so Schröcksnadel. Eine Panne, die für den ÖSV-Boss Grund genug ist, über ein neues Zeitnahmesystem nachzudenken. "Vielleicht muss man in Zukunft auf ein anderes System umsteigen. Ich denke da an ein Chipsystem, bei dem die Läufer durch den Chip am Körper die Zeit auslösen - ähnlich wie im Marathon."

Alge-Chef Vetter weiß jedoch, dass das nur Zukunftsmusik ist: "Das ist derzeit technisch einfach nicht machbar." Schadensbegrenzung konnte betrieben werden, da das Zeitmesssystem mehrfach abgesichert ist. "Wir haben ein Hauptsystem, ein Backupsystem, das direkt zum Fernsehen hineingeht, ein internes Backupsystem sowie noch dazu eine händische Messung", erklärte Vetter, der sich absolut sicher ist, dass die korrigierten Zeiten korrekt waren. Im Falle von Schladming war jene Absicherung, die direkt zu den ORF-Bildern führt, defekt.

"Wo Technik ist, wird es auch immer Fehler geben"

Vetter meinte, dass man durch weiteres Testen und den Einbau von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen weiteren Pannen vorbeugen wird. "Aber zu 100 Prozent kann man nie sicher sein. Wo Technik ist, wird es auch immer Fehler geben." Vetter fügte jedoch hinzu, dass solche Lichtschranken seit vielen Jahren tausendfach im Einsatz sind und Derartiges noch nie passiert sei.

Stellt sich nur die Frage, inwieweit nun Fahrer und Fans verunsichert sind und das Vertrauen in die Zeitnahme verloren haben. Diese Zweifel wischen aber etwa ÖSV-Präsident Schröcksnadel und Schladming-Sieger Pranger vom Tisch. "Das ist Livesport, so etwas kann passieren. Für diese Fälle gibt es die Absicherungssysteme." Pranger meinte: "Ich kann mir nicht jedes Mal Gedanken machen, ob die Zeit stimmt. Ich vertraue darauf." Kritische Stimmen kamen hingegen u.a. von den Österreichern Mario Matt ("So etwas sollte im Weltcup nicht passieren") und Kilian Albrecht ("Traurig").(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Verwirrung im Zieleinlauf von Schladming.

Share if you care.