Ein erlauchter Kreis

6. Juli 2005, 15:06
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Immer weniger Modehäuser wollen und können die hohen Ansprüche der Haute Couture erfüllen

Die Luft wird dünn in der Welt der Haute Couture, der höchsten französischen Schneiderkunst, die für wenige Modehäuser einträglich und für die meisten ruinös geworden ist. Nur acht Pariser Marken schickten bei den diesjährigen Schauen ihre handgenähten Sommerkollektionen über den Laufsteg, die dazu geladenen Italiener Valentino und Armani komplettierten das Programm. Damit haben zwei weitere Traditionshäuser das Handtuch geworfen, Balmain und Torrente.

Kreis der besten Schneider

Haute Couture ist eben immer noch mit hohen Anforderungen verbunden, die zu erfüllen sich immer weniger Häuser leisten können. Kaum zu glauben, dass es 1945 bei der Einführung der strengen Kriterien für diesen Kreis der besten Schneider noch 106 Mitglieder der Haute Couture gab. Maßgeschneidertes war damals bei Damen von Welt oder Geld die Regel, doch die Einführung des Luxus-Pret-a-porter in den sechziger Jahren ließ viele Firmen aussteigen. Die Namen derjenigen Häuser, die sich lieber auf einträglichere Geschäfte wie Pret-a-porter, Parfüms oder Accessoires verlegten, ist lang und voller illustrer Namen: Balenciaga, Lanvin, Laroche, Nina Ricci, Louis Feraud und viele mehr.

Kriterien: Von Hand genähte Modelle, bestimmt Angestelltenzahl und Mindestzahl an Kreationen

Dabei sind die Vorschriften, die maßgeschneiderte, von Hand genähte Modelle, eine bestimmte Zahl von Angestellten in den Salons und eine Mindestzahl vorzustellender neuer Kleider verlangten, schon deutlich abgeschwächt worden. So muss eine Haute-Couture-Marke nur noch 25 statt 50 Modelle pro Saison vorführen. Auch "korrespondierende" und "eingeladene" Mitglieder wurden dazugebeten, um den Mangel an Masse auszugleichen. Dennoch scheint der Schrumpfungsprozess unaufhaltsam, und der Ausstieg der Legende Yves Saint Laurent aus der Haute Couture 2002 war ein entscheidender Einschnitt.

Im Schatten dieser Dramatik der Glamourwelt gibt es allerdings noch Häuser, die sich bei sehr viel geringeren Umsatzzahlen als die Kolosse Chanel oder Dior dennoch wacker schlagen: Dazu gehört die Marke Scherrer mit einer treuen Kundschaft im Nahen Osten und den USA. Zwei Neulinge, denen die Würde "Haute Couture" gerade erst verliehen wurde, sind Adeline Andre und Franck Sorbier. Der Italiener Giorgio Armani war erstmals als "korrespondierendes Mitglied" dabei, er präsentierte eine Linie mit Namen "Giorgio Armani prive". Und im "Off"-Programm, also dem inoffiziellen Teil, gab es 25 verschiedene Modenschauen eingeführter und junger Designer aus aller Herren Ländern. (apa/red)

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