Juschtschenko will Mordfall an ukrainischem Journalisten aufrollen

2. Februar 2005, 14:46
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Fall Gongadse aus dem Jahr 2000 soll vor Gericht - US-Institut prüft Tonbänder zur Verwicklung Kutschmas

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko will den Fall des Enthüllungsjournalisten Georgi Gongadse "in naher Zukunft" vor Gericht bringen. "Sie werden einen öffentlichen Prozess am ukrainischen Gericht sehen", sagte Juschtschenko laut seinem Pressedienst am Dienstag vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Gongadse war im Jahr 2000 ermordet worden, was zu Massenprotesten der Opposition und einer Staatskrise in der Ukraine geführt hatte. Ex-Präsident Leonid Kutschma war verdächtigt worden, daran beteiligt zu sein.

Juschtschenko - er war von 1999 bis 2001 Ministerpräsident - bezeichnete es als eine dringende "moralische Aufgabe" seiner Regierung, den Fall vor Gericht zu bringen. "Vielleicht wird es einige Monate dauern, das hängt vom Büro des Generalstaatsanwalts ab." Zwei Verfahren, die in direktem Zusammenhang mit dem Mord stünden, seien schon an das Gericht geleitet worden. Juschtschenko kündigte außerdem an, in der kommenden Woche Gongadses Mutter besuchen zu wollen.

Berichte über Korruptionsskandale

Der damals 31-jährige Internet-Journalist Gongadse hatte über Korruptionsskandale berichtet. Tonbandaufnahmen hatten damals auf eine Beteiligung Kutschmas an dem Mord schließen lassen. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Die Justiz hatte die Ermittlungen mit dem Hinweis eingestellt, Gongadse sei einem später ebenfalls getöteten Raubmörder zum Opfer gefallen.

Nach Angaben des Internationalen Presse-Instituts (IPI) in Wien prüft derzeit ein amerikanisches Institut die Echtheit der Tonbänder, die Aufschluss über die Beteiligung Kutschmas an dem Mord geben können. Die Untersuchungen stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. (APA)

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