Im Sommer fallen alle Fondssteuerhürden

4. Februar 2005, 10:56
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Mit der EU-Quellensteuer können Banken ab Juli die Kapitalertragsteuer automatisch abziehen, wenn die Fonds entsprechende Daten liefern

Wien - Ab Juli ändert sich für österreichische Anleger die Fondslandschaft: Rund 3000 in Österreich zugelassene ausländische Fonds sind dann mit Abzug der Kapitalertragsteuer (KeSt) genauso besteuert wie die derzeit knapp 1900 Fonds inländischer Kapitalanlagegesellschaften. Voraussetzung ist, dass die Fondsgesellschaften den heimischen Depotbanken täglich Daten ihrer ausschüttungsgleichen Erträge liefern, von denen dann die KeSt abgezogen wird. Für die meisten dürfte das kein Problem sein.

Der KeSt-Abzug kann bei den Banken automatisch passieren, da sie ihre Systeme nach diesem Modell für die Abrechnung der inländischen Fonds aufgesetzt haben. Die Daten der Ausländer können dort "hineinrutschen", und der bisher oft zitierte Mehraufwand entfällt. Ausschüttungsgleiche Erträge müssen mit Geltung der EU-Quellensteuer ab Juli sowieso berechnet werden, also sind auch die Fondsgesellschaften darauf eingestellt. Anfang Februar haben die ausländischen Fondsfirmen noch ein Gespräch im Finanzministerium, dann sollten auch Diskussionen um Berechnungsformeln beendet sein.

"Es gibt dann keinen Grund mehr, aus steuerlichen Gründen zu inländischen Fonds zu greifen", sagt Philip Göth, Partner bei Deloitte & Touche und Leiter der Finanzdienstleistungen für die Schweiz und Österreich.

Er ist die Speerspitze der Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften (VAIÖ) gewesen, um die 1,5-prozentige Sicherungssteuer (oder Steuererklärung) auf ausländische Fonds zu Fall zu bringen. Sie hatte das Geschäft der Ausländer mit heimischen Endkunden praktisch zum Stillstand gebracht. Mit dem Abgabenänderungsgesetz 2004 und der nunmehrigen Einigung mit den inländischen Banken ist das gelungen.

Damit rücken Privatanleger verstärkt ins Visier ausländischer Fondsgesellschaften, deren Geschäft zuvor stark auf institutionelle Investoren und Dachfonds konzentriert war. Die Gesellschaften dürften nun zwar tiefer in die Werbetöpfe greifen - wie erfolgreich ausländische Fonds im Publikum werden, entscheidet aber eher die Entwicklung von Abwicklungsplattformen für den Nichtbankenvertrieb in Österreich. Denn die inländischen Banken werden ihren Kunden wohl zuerst ihre eigenen Produkte anbieten. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2005)

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