Nervenschlacht zwischen Fiat und GM

3. Februar 2005, 15:26
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Noch einwöchige Frist für Schlichtung des Übernahmestreits

Turin/Mailand - Der Milliardenpoker zwischen dem Turiner Autobauer Fiat und dem weltweit größten Autokonzern General Motors (GM) soll am 1. Februar zu Ende gehen. Bis dahin wird sich entscheiden, ob es Fiat gelingt, seine angeschlagene Autosparte GM aufs Auge zu drücken. Oder, ob GM eine Ausgleichszahlung in Milliarden-Dollar-Höhe hinlegt, um die Fiat-Auto-Übernahme zu vermeiden. Als dritter Ausweg käme ein langwieriger und kostspieliger Rechtsstreit infrage, an dem niemanden gelegen ist.

Um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, wollen sich Fiat-Konzernmanager Sergio Marchionne und GM-CEO Richard Wagoner in den nächsten Tagen auf "neutralem Boden" treffen. Formell besteht Marchionne auf das Recht, dem Amerikaner die Mehrheitsanteile anzudienen. Dies gehe klar aus dem im Jahr 2000 unterzeichneten Vertrag hervor, als GM damals zum Preis von 2,4 Mrd. Euro 20 Prozent der Fiat-Autosparte übernahm und sich verpflichtete, ab 2005 auch die restlichen Anteile zu übernehmen, wenn sie angeboten werden. Inzwischen sank der GM-Anteil infolge einer Kapitalerhöhung auf zehn Prozent.

GM behauptet, dass dieses Andienungsrecht verwirkt sei - infolge von Kapitalmaßnahmen und Restrukturierungen. So haben die Amerikaner kürzlich den kleinen Restwert ihrer Fiat-Beteiligung von 220 Mio. Dollar voll abgeschrieben.

Es steht viel auf dem Spiel

Für beide Konzerne steht bei der Auseinandersetzung viel auf dem Spiel. Fiat ist gewillt, GM von der Optionsfessel zu befreien und fordert dafür bis zu drei Mrd. Dollar. GM soll dem Vernehmen nach 500 Mio. geboten haben. GM muss mögliche Zusatzbelastungen abwehren, ist doch das schwache Investment-Grade-Rating bei zusätzlichen Schulden in Gefahr. Auch leidet der US-Autohersteller an Überkapazitäten und hat mit der deutschen Opel-Tochter Sorgen.

Finanzkreise in Mailand rechnen mit einer Ausgleichszahlung zwischen einer und 1,5 Mrd. Dollar. Auch wenn Fiat über eine Mrd. Dollar einkassiert, ist dies ein Pyrrhussieg. Denn der Turiner Autobauer hätte damit das von den Rating-Agenturen hoch bewertete Recht verloren, die Autosparte GM jederzeit zu verkaufen. Fiat Auto können aber kaum allein überleben, fürchten Experten. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2005)

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