Wenn der Zahn schlafen geht

1. Februar 2005, 21:18
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Der Grazer Zahnarzt Georg Schiller nimmt Patienten mit Hypnosetechniken die Angst vor medizinischen Eingriffen

Graz - "Der Nächste bitte!" Für viele Menschen gehört dieser Satz zu den schlimmsten Dingen, die man ihnen sagen kann - vor allem wenn sie im Wartezimmer eines Zahnarztes sitzen und wissen, dass sie gemeint sind. Eine lächelnde Assistentin "lockt" sie damit in einen Raum, wo der bisher noch nicht in Erscheinung getretene Arzt auf sie wartet. "Ich hole meine Patienten selbst im Wartezimmer ab", erzählt der Grazer Zahnarzt Georg Schiller, der sich darauf spezialisiert hat, seinen Patienten die Angst vor Behandlungen zu nehmen und ihren Schmerz zu reduzieren.

Seine Waffen gegen Panik und Pein sind hypnotische Techniken, das in Österreich langsam wieder entdeckte Lachgas und vor allem "viel Zeit für die Patienten".

Gerade die Hypnose wird - abseits von der eigentlichen Hypnosetherapie, die etwa zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird - von immer mehr Ärzten verwendet. Im Dezember 2004 fanden in Graz die Österreichischen Hypnose Tage des Vereins "Medizinische Hypnose Alpe Adria" statt. Schiller sieht diese Entwicklung sehr positiv, da er selbst sehr gute Erfahrungen mit diesen Techniken gemacht hat: Er selbst sei über die Kinderzahnmedizin auf diese Form der Behandlung gestoßen.

Große werden Kinder

"Wirkliche Angstpatienten werden auch im Erwachsenenalter zu Kindern, sobald sie einen Behandlungsstuhl sehen. Durch Hypnosetechniken werden manche überhaupt erst behandelbar." Bei solchen Patienten müsse man besonders behutsam vorgehen. In Schillers Ordination geschieht beim ersten Besuch oft gar nichts. "Die Patienten müssen erst einmal Vertrauen gewinnen. Ich setze mich zum Beispiel selbst in den Behandlungsstuhl, rede viel mit ihnen und erkläre alles." Eine positive Kommunikationsstruktur sei das Um und Auf. "Bei mir existiert das Wort Spritze nicht. Ich frage den Patienten, ob es ihm recht ist, wenn wir den Zahn schlafen legen." Die eigentliche Hypnose hat nichts mit den Shows zu tun, die man landläufig aus Varietees oder dem Zirkus kennt. "Die Patienten werden nicht willenlos, ganz im Gegenteil, wenn sich ein Patient dagegen wehrt, in einen anderen Zustand versetzt zu werden, funktioniert es bei ihm auch nicht."

Der "Zustand" ist einer größter Konzentration und Entspannung. "Man kann Schmerz trotzdem fühlen, aber er wird anders bewertet." Dabei können auch nur einzelne Körperteile in Trance versetzt und ihnen sogar suggeriert werden, weniger zu bluten. Ärzte müssen solche Zusatzausbildungen selbst bezahlen, doch ihre Wirkung ist letztlich auch eine Zeitersparnis - für alle Beteiligten. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2004)

  • Bitte lächeln! Damit seine Patienten auch weiterhin kräftig zubeißen können, setzt der Grazer Zahnarzt Georg Schiller auf Hypnosetechniken.
    foto: elmar gubisch

    Bitte lächeln! Damit seine Patienten auch weiterhin kräftig zubeißen können, setzt der Grazer Zahnarzt Georg Schiller auf Hypnosetechniken.

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