60 Jahre danach - von RAU

11. Februar 2005, 17:05
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Völkermord ist kein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Julius Cäsar rühmte sich selbst, den gallischen Stamm der Nervier ausgerottet zu haben. Wegen des Völkermords an anderen gallischen Stämmen wurde er sogar vor dem römischen Senat angeklagt.

Das Vorgehen gegen die Indianer Nordamerikas im 19. Jahrhundert lief teilweise auf Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen und damit auf Ausrottung, zumindest Dezimierung, hinaus, auch wenn man nicht von einem übergeordneten, systematisch umgesetzten Plan zum Völkermord sprechen kann. Das gab es nur im Dritten Reich gegenüber den Juden (und den Sinti und Roma).

Das KZ Auschwitz wurde zum Symbol der absoluten Vernichtung. Zum 60. Jahrestag der Befreiung des Lagers musste UN-Generalsekretär Kofi Annan festhalten, dass auch nach Auschwitz Völkermord nicht aufgehört hat: Kambodscha in den Siebzigern, Bosnien und Ruanda in den Neunzigern, Darfour heute.

Wie ist das in einer vernetzten Welt möglich? Warum landete nicht eine internationale Eingreiftruppe in Darfour und verjagte die marodierenden Banden? Ein paar Hundert Mann, bestens gerüstet, hätten genügt. Es gibt dutzende politische Gründe dafür, in Wirklichkeit gibt es keinen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2005)

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