Humorentwicklungshilfe für Österreich

22. März 2005, 16:07
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In der Sat.1-Show "Genial daneben" beantwortet Bernhard Hoëcker Fragen - dem STANDARD erklärte er, warum er beim ATVplus-Ableger fehlt

Zum Glück für ATV+ sitzt Bernhard Hoëcker nicht im Rateteam von "Absolut genial", dem österreichischen Ableger der erfolgreichen Sat.1-Show "Genial daneben". Gerade zeichnete der Sender die ersten Sendungen auf. Prominente Gäste aus dem deutschen Fernsehen wie Hugo Egon Balder, Herbert Feuerstein oder Cordula Stratmann rätselten neben Österreichern wie Mini Bydlinski, Toni Polster, Elke Winkens und dem Schweizer Dieter Moor. Schon ab Mitte Februar soll der Spaß auf Sendung gehen.

Zum Glück ohne Bernhard Hoëcker. Denn die bei der Aufzeichnung gestellte Frage "Was ist eine Königskerze?" beantwortet er - dramaturgisch völlig unerwünscht, nämlich ohne Witzelei - richtig. Wie die lautet, behält DER STANDARD auf Wunsch von ATV+ noch für sich: Die Kollegen sorgen sich sonst um die Spannung. Wer Antworten will, muss ab Mitte Februar "Absolut genial" schauen.

Eine weitaus schwierigere Frage vermag freilich auch Hoëcker nicht zu lösen: Was ist ein Stangenei? "Ich würde vermuten, bei Ritterturnieren setzte man oben auf die Stange ein Ei, um Verletzungen zu vermeiden", meint Hoëcker. Wie würde dazu Hugo Egon Balder sagen? "Richtige Antwort, allerdings zu einer anderen Frage."

So gesehen: Der Mann wäre eine Bereicherung im ATV+-Rateteam von "Absolut genial". "Ich konnte nicht wegen Terminen. Aber ich hätte total Lust. Die Österreicher haben sehr lustige Wörter." Zum Beispiel das echt vorarlbergische "Bsetzibölla". "Wie bitte?", fragt Hoecker. "Bsetzibölla?" - "Das sind Knaller, die man auf den Tisch ,bsetzt'", vermutet Hoëcker. Hier irrt er.

Die Antwort darf verraten werden, handelt es sich doch um eine spontane STANDARD-Frage, somit nicht aus dem ATV+-Spiel. Demnach sagen Vorarlberger "Bsetzibölla", wenn sie eigentlich Pflastersteine meinen.

"Ich wüsste nicht, warum das in Österreich nicht funktionieren sollte", verteilt Hoëcker Vorschusslorbeeren an ATV: Man könne auf den Erfahrungsschatz der deutschen Ausgabe zurückgreifen.

Der Kleinste

Der ORF versucht mit "Was gibt es Neues?" Ähnliches, Oliver Baier und Konsorten mühen sich redlich ab, der Funke sprang aber noch nicht über. Da fragt sich Hoëcker: "Warum müssen Deutsche kommen, um etwas zu machen, damit die Österreicher das lustig finden? Wieso lachen die nicht über sich selber?" Und hält die These parat: "Vielleicht lieben eure Comedians eher den konservativen Humor. Das Format bedarf eines modernen Humors. Ich bin sicher, auch diese Komiker gibt es in Österreich. Man hat sie nur noch nicht gefunden."

Hoëcker gehört zu den beliebtesten Komikern im deutschen Fernsehen. ProSieben zeigt am 3. Februar sein Soloprogramm "Comedy vom Kleinsten". Bei Sat.1 gilt der Kleinste gleichzeitig als der vifste. Gemeinsam mit Hella von Sinnen ist der nur 159 Zentimeter große Komiker fix in der Sendung, dazwischen dürfen Gäste mitraten. Nicht alles unterliegt dem Zufallsprinzip. Wenn die Rätselei zu albern wird, greifen er oder von Sinnen sachte ein, damit der Spaß wieder funktioniert. Der Erfolg von "Genial daneben" geht auch auf sein Konto.

Hoëckers Lieblingsfragen kommen aus den Naturwissenschaften, etwa: "Was ist eine Fickformel?". "Das Wort hat einen negativen Beigeschmack. Dabei heißt es nichts anderes, als durch Reibung Wärme zu erzeugen. Das kommt aus der Thermodynamik." Zu überprüfen ab Mitte Februar. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2005)

  • Hella von Sinnen, Hugo Egon Balder und Bernhard Hoecker, der harte Kern von "Genial daneben".
    foto: der standard/sat.1

    Hella von Sinnen, Hugo Egon Balder und Bernhard Hoecker, der harte Kern von "Genial daneben".

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