Waffenbrüder

14. Februar 2005, 10:27
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Die Vier, die da in die U3 einstiegen, hatten den ersten Tag bei der Stellungskommission hinter sich...

Es war am Montag. Die Vier, die da in die U3 einstiegen, hatten den ersten Tag bei der Stellungskommission hinter sich. Während sich auf den Gesichtern der umsitzenden Damen Unverständnis abzeichnete, konnten sich einige Herren das Wann-war-das-nochmal?-Seufzgesicht nicht verkneifen: Die Relevanz von grünen oder weißen Hosen, die - im Wortsinn - bloßstellende Absurdität vorne offenstehenden Beinkleider, die Simplifizierung der Namen der medizinischen Stationen auf Analphabetenniveau, die vorhersehbaren Soll-Antworten auf Psychotestfragen - all das tauchte aus vergessenen oder verdrängten Gedächtnisspeichern auf. Ebenso wie die Erinnerung an das Warten auf das Ergebnis und den ersten Vorgeschmack darauf, wie geisttötend sich sinnentleertes Warten auf das Verstreichen von von vornherein als verloren deklarierte Zeit auf die Wartenden auswirkt.

Aber für die vier Bald-Rekruten waren das alles neu. Sie waren auch die ersten, die über die Folgen des Stellungsbefundes nachdachten: Einem hatte man schon mitgeteilt, dass er wohl untauglich sei. Der Jungmann kam aus dem Lachen kaum heraus: Das Gesicht seines Schwimmtrainers wolle er sehen, wenn er von seinem zu geringen Lungenvolumen und seiner Schwächlichkeit erzählen würde.

Die anderen drei gratulierten. Neidig. Einer hatte einen Einwand. Ihm habe man - anscheinend ein Stellungsprüfer vor Ort - erzählt, dass untaugliche Männer mit Problemen zu rechenn hätten: Beim Führerschein etwa. Oder beim Waffenbesitz. Und er gehe halt ganz gerne Pistolenschießen. Ratlosigkeit machte sich breit. Sogar die Euphorie des untauglichen Leistungssportlers begann zu bröseln.

Aus der nächsten Sitzgruppe beugte sich ein mittelalter Mann zu den vier Knaben: " Wenn ihr euch nicht völlig blöd anstellt, kann das nicht passieren - aber sie haben schon zu meiner Zeit versucht, uns das einzureden. Glaubt denen kein Wort. Alles Gute." Bei der nächsten Station er aus. Er trug Uniform.

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