Riedel Glas baut 500 Jobs bis 2006 ab

3. Februar 2005, 14:46
9 Postings

Großteil bei deutscher Nachtmann-Gruppe - 100 Mitarbeiter in Österreich betroffen

Innsbruck - Der Tiroler Glaserzeuger Riedel Glas will im Zuge der Sanierung der im Vorjahr übernommenen deutschen Nachtmann Gruppe bis zum Jahr 2006 insgesamt 500 Mitarbeiter abbauen. Dies kündigte das Unternehmen am Dienstag an. Die Maßnahme sei für die Weiterführung der Unternehmen "unabdingbar".

2004 waren noch 1.600 Mitarbeiter bei Nachtmann beschäftigt gewesen, mit Jahresbeginn 2005 wurde die Zahl bereits um 300 auf 1.300 reduziert. Bis 2006 sollen noch weitere 100 Beschäftigte abgebaut werden.

100 Mitarbeiter in Kufstein betroffen

Doch auch bei Riedel selbst werden rund 100 der derzeit 400 Mitarbeiter im Stammhaus in Kufstein und im oberösterreichischen Schneegattern bis 2006 ihren Arbeitsplatz verlieren. Genauer wollte man sich dazu bei Riedel auf APA-Anfrage nicht äußern.

Die "Freistellungen" bei Nachtmann seien im Einvernehmen mit den Vertretern der Belegschaft und der Gewerkschaft durchgeführt worden, hieß es in einer Aussendung. Ziel sei es 1.200 "sichere Arbeitsplätze" zu erhalten, betonte Firmenchef Georg Riedel. Durch den Personalabbau würden die Personalkosten bei Nachtmann von 61 Mio. Euro 2004 auf 49 Mio. Euro 2006 verringert werden.

Verwaltung, Vertrieb und Versand werden zentralisiert

Es sei geplant, alle Produktionsstandorte zu erhalten. Verwaltung, Vertrieb und Versand sollen zentralisiert werden. Jeder Standort werde seinen Beitrag leisten müssen. So werde auch die Geschenkartikel-Abteilung der Riedel Tiroler Glashütte nach Riedelhütte im Bayerischen Wald verlegt. Dadurch gingen 30 Arbeitsplätze am Standort Kufstein verloren.

"Wir werden mit der Übernahme Synergien nutzen und doppelt besetzte Positionen auflösen", erklärte Riedel gegenüber der APA. Hinsichtlich des angekündigten Personalabbaues sprach er von "vorsichtig geplanten Zahlen", die sich bestenfalls noch ändern könnten.

Die Nachtmann AG hatte in den Jahren 2001 bis 2004 kumulierte Verluste in der Höhe von 20 Mio. Euro hinnehmen müssen. Mit 17. September 2004 hatte Riedel Glas die F.X. Nachtmann Crystal AG zur Gänze übernommen.

Maschinengefertigte Gläser wandern zu Nachtmann

Riedel hat im Geschäftsjahr 2004 wie prognostiziert den Umsatz um 15 Prozent auf rund 100 Mio. Euro gesteigert. Nachtmann hat 124 Mio. Euro umgesetzt.

Insgesamt wurden im Vorjahr 11 Millionen "Riedel"-Gläser verkauft. Ab dem 3. Quartal 2005 soll die Produktion für alle Riedel-Maschinengläser - rund 10 Mio. Stück pro Jahr, die bisher bei befreundeten Glashütten hergestellt wurden - zu Nachtmann an die Standorte Amberg bei Nürnberg und Riedlhütte bei Passau verlegt werden, kündigte das Unternehmen weiter an.

Erfolgreiche Glasserie "O"

Der Umsatzanstieg von Riedel sei 2004 in erster Linie auf den Erfolg der neuen Glasserie "O" zurückzuführen, von der 2,2 Mio. Stück verkauft wurden. Die größten Umsatzzuwächse erreichte Riedel Glas einmal mehr mit seinen Tochtergesellschaften in Nordamerika (plus 40 Prozent) und Japan (plus 25 Prozent), hieß es in einer Aussendung. Das Amerika-Geschäft trägt mit 44 Prozent zum Umsatz bei, der europäische Markt mit 45 Prozent, Asien zu 9 Prozent.

Nachtmann hat 2004 mit 55 Millionen Stück Gläsern 124 Mio. Euro umgesetzt und 8 Mio. Euro Jahresverlust geschrieben. 60 Prozent des Umsatzes wurden mit Private Labels - also der Produktion für andere Hersteller wie Rosenthal oder Waterford Wedgewood - gemacht.

Riedel will die Marke Nachtmann jun vor allem für trendige Geschenkartikel und Deko-Gläser positionieren. Die ebenfalls zu Nachtmann gehörende Marke Spiegelau soll für "weinorientierte, preiswerte Gläser" stehen und sich an ein breites Publikum und an die Gastronomie" richten.

Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz bei Nachtmann auf 115 Mio. Euro zurückgehen und das Betriebsergebnis von zuletzt plus/minus Null auf 3 Mio. Euro verbessert werden. (APA)

Share if you care.