Proteine zeigen "unerwartete Komplexität"

2. Februar 2005, 14:16
6 Postings

Humangenetiker Christoph Lengauer bremst bei Symposium Österreichischer Proteom Plattform Freude über Genomentschlüsselung

Seefeld - Groß war die Freude, als das Genom endlich entschlüsselt und der "Bauplan des Menschen" dargelegt war. Doch der Euphorie folgte Ernüchterung, erzählt der österreichische Humangenetiker Christoph Lengauer beim zweiten Internationalen Symposium der Österreichischen Proteom Plattform (APP) im Tiroler Seefeld: "Die Erkenntnisse schmeißen uns zurück. Wir haben es mit einer unerwarteten Komplexität zu tun."

Lengauer, der seit zehn Jahren an der Johns Hopkins University in Baltimore (USA) an der Erforschung von Darmkrebs arbeitet, bezieht sich auf Eiweiße (Proteine), deren Geheimnisse die weltweit boomende Proteomik ergründet. Mindestens 100.000 verschiedene Proteine enthält jede Zelle, sie bilden riesige Netzwerke, transportieren, speichern und lassen Zellen kommunizieren, sind maßgeblich an der Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Geschwüren oder Entzündungen beteiligt.

In Österreich wird die Proteomforschung vor allem innerhalb der APP betrieben. Derzeit sind fünf Forscherteams aus Innsbruck, Graz und Wien eingebunden. Das Symposium wird im Rahmen der vom Wissenschaftsministerium geförderten Initiative Gen-AU finanziert. Damit werde, betonte Ressortchefin Elisabeth Gehrer, ein bedeutender österreichischer Beitrag zum Zukunftsfeld Biowissenschaften geleistet.

Neuer Krebstest

Lukas Huber von der Medizin-Uni Innsbruck, Mitbegründer der 2003 gegründeten Plattform, erinnerte in Seefeld an das von ihm entdeckte Protein 14, das er als "Hoffnungsfeld" für Arzneien bezeichnete. Huber erforscht besonders die Signalwege, die zur Entstehung von Krankheiten führen. Dabei sei jedes neu entdeckte Protein auch ein möglicher Angriffspunkt für neue Wirkstoffe. Lengauer präsentierte dementsprechend seine neue Diagnoseansätze für Darmkrebs: Ein Stuhl-Test soll eine Früherkennung mit einer Genauigkeit bis zu 80 Prozent ermöglich. Darmkrebs ist die dritthäufigste bösartige Erkrankung bei Frauen und Männern. (emu/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2004)

Share if you care.