Kaufkraft wohnt in Mödling und Krems

6. April 2005, 15:55
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Statistik: Kaufkraft in Niederösterreich gestiegen, aber nicht alle haben mehr Geld zur Verfügung

St. Pölten/Wien - Es klingt sehr gut und die Landesregierung hat die frohe Kunde gleich verbreitet: "Niederösterreicher können sich mehr leisten - Bezirk Mödling führt Kaufkraftstatistik an". Auch bei der derzeit in Altlengbach stattfindenden Klubklausur der Volkspartei NÖ war man deshalb in Jubelstimmung.

Wolfgang Rhomberg von der "KMU Forschung Austria" bestätigt die positiven Zahlen für das flächenmäßig größte Bundesland Österreichs, dessen Kaufkraft um 8,7 Prozent (Beobachtungszeitraum von 2001 bis 2004) zugelegt hat. "Wenn man das im Vergleich der anderen Bundesländer anschaut, hat Niederösterreich hinter Burgenland und Kärnten die stärkste Steigerung bei der Kaufkraft pro Kopf."

Das große Aber Rhomberg betont gleich das große Aber: "Diese Kaufkraft ist ungleich verteilt. Es profitieren nicht alle davon und in Niederösterreich gibt es innerhalb der Bezirke eine große Diskrepanz." Er gibt zu Bedenken, dass im gleichen Zeitraum, in dem die Kaufkraft in Österreich und in den einzelnen Bundesländern gestiegen ist, auch die Zahl der Arbeitslosen und damit die staatlichen Aufwendungen für Arbeitslosengeld und Notstandshilfe gestiegen sind (um bis zu 46 Prozent). Das heißt, dass viele Menschen ihren Job verloren haben, es aus diversen Gründen hinnehmen mussten, dass ihr Lohn oder Gehalt gekürzt wurden. Oder, dass Selbständige aus ihrem Gewerbe derzeit ein niedrigeres Einkommen beziehen, weil beispielsweise in wirtschaftlich angespannter Zeit ihre Dienstleistung weniger gefragt ist.

Kaufkraft in Österreich Die fünf stärksten Bezirke hinsichtlich der Kaufkraft sind Mödling mit 132,3 Punkten, Krems-Stadt mit 127,6 Punkten, gefolgt von Korneuburg (125,3), Bruck an der Leitha (111) und Baden (107). Der Punktewert sagt aus, um wieviel ein Bezirk vom Durchschnitt abweicht, als Basis dient der Österreich-Wert mit 100 Punkten. Demnach liegt in Niederösterreich Gmünd an viertletzter Steller (87,3 Punkte), in Waidhofen/Thaya (84,6) und Krems-Land (82,6) ist die Kaufkraft noch schwächer. Am wenigsten können sich die Einwohner von Zwettl leisten - 79 Punkte.

Wiener "Speckgürtel"

Niederösterreich profitiert nach wie vor davon, dass viele junge, gut Ausgebildete und damit häufig auch gut Verdienende ihren Wohnort an die Peripherie verlegen ("Speckgürtel" rund um Wien). Das ist mit ein Grund, warum der Süden Wiens seit Jahren in der Statistik zur Kaufkraft gut dasteht. Nicht umsonst sind Mödling und Baden auf den vorderen Plätzen darin zu finden.

Die Wohlhabenden

Die stärksten Veränderungen hinsichtlich der Kaufkraft haben die Statistiker der "KMU Forschung Austria" für die Bezirke Bruck an der Leitha, Gänserndorf und Korneuburg errechnet. Generell zu den einkommensstärksten Gemeinden in Niederösterreich zählen Maria Enzersdorf, Bisamberg und Gießhübl - das heißt, dort wohnen die relativ meisten Personen, die über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen.

Während die Tendenz, dass viele aufs Land ziehen, für Niederösterreich ungebrochen anhält, besteht für Wien die Tendenz, dass es Einkommensschwache eher in die Stadt verschlägt. Da sind beispielsweise Studenten gemeint, die nicht viel verdienen, weil sie sich mit Nebenjobs ihr Studium finanzieren oder Zuwanderer, die häufig mittellos hier ankommen. Das trifft aber nicht nur Wien, sondern generell urbane Zentren, meint Rhomberg. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe, 25.01.2005)

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    foto: weingut stadt krems

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