Arbeiter-Samariter Löhlein: Runde Tische gegen Ängste

3. Februar 2005, 15:10
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Der ASB-Landessekretär im derStandard.at- Interview über die aktuelle Situation im Floridsdorfer Heim, Anrainer und die FPÖ

Oliver Löhlein ist der Landessekretär des Arbeiter Samariter Bundes Wien. Im Interview mit derStandard.at erläuterte er die derzeitige Situation des AsylwerberInnen-Heimes in Floridsdorf. Das Gespräch führten Sonja Fercher und Rainer Schüller.

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derStandard.at: Wie viele Leute sind im Heim untergebracht?

Löhlein: Derzeit sind es 54 Personen. Geplant ist, dass maximal 150 Personen hier wohnen sollen.

derStandard.at: Wie finanziert sich das Heim?

Löhlein: Die Finanzierung der Betreuung ist in Wien mit allen gleich geregelt. Es gibt mit dem Fonds Soziales Wien einen Vertrag. Dieser Fonds zahlt uns zunächst, die Kosten dafür werden zwischen Bund und Ländern gemäß der 15a-Vereinbarung aufgeteilt.

derStandard.at: Wie ist die Übersiedlung bisher verlaufen?

Löhlein: Wir holen die AsylwerberInnen entweder von den Heimen mit einem unserer Wägen ab oder sie kommen persönlich. Das funktionierte bis jetzt reibungslos.

derStandard.at: Die AsylwerberInnen kommen aus Heimen, die überfüllt sind?

Löhlein: Ja. Bisher waren sie in den Heimen der Caritas, Volkshilfe, Diakonie oder des Roten Kreuzes untergebracht. Dort haben sie eben auf Grund der derzeitigen Situation einen Überbelag.

derStandard.at: Was passiert nach der Ankunft im neuen Heim?

Löhlein: Die AsylwerberInnen kommen hier her, wir zeigen ihnen die Unterkunft und ihre Zimmer, besprechen dann mit ihnen, wie es von der Aufteilung her für sie am günstigsten ist, wo die Eltern und wo die Kinder wohnen sollen. Wir schauen immer, dass die Zimmer nebeneinander liegen.

derStandard.at: Welche Personen sollen in diesem Heim untergebracht werden?

Löhlein: Das ist ein Heim, das auf Familien ausgerichtet ist. Es bietet sich auch an, weil es einen Innenhof gibt und relativ viel Grünfläche, wo wir auch einen Kinderspielplatz einrichten wollen. Hinter dem Heim ist auch ein Fußballplatz.

derStandard.at: Wie waren die Reaktionen der Anrainer bisher?

Löhlein: Es hat eben diese große Infoveranstaltung gegeben, die am Anfang ziemlich turbulent war und wo es erst nach einer gewissen Zeit möglich war, die Rahmenbedingungen, die hier gegeben sind, weiterzugeben.

Mittlerweise hat sich das Ganze aber so entwickelt, dass es jetzt auch sehr viele AnruferInnen gibt, die uns unterstützen möchten. Und es gibt natürlich nach wie vor sehr viele, die große Bedenken und Ängste haben und auch sagen, sie wollen das da nicht haben.

derStandard.at: Das heißt, die Ängste sind nicht konkret an etwas festzumachen?

Löhlein: Na ja, es geht ganz konkret um Sorgen bezüglich einem Anstieg der Kriminalität. Es gibt die Befürchtung, dass hier nur Männer herkommen, wo aber eindeutig festgelegt wurde, dass hier nur Familien untergebracht werden. Es gibt dann auch Themen wie Wertverlust der Grundstücke und ähnliches.

derStandard.at: Was wird gegen diese Ängste unternommen?

Löhlein: Wir veranstalten jetzt regelmäßig Runde Tische, wo wir uns mit den AnrainerInnen im Detail unterhalten. Wir hatten dazu letzte Woche ein erstes informelles Gespräch mit den Obleuten der Kleingartenvereine. Diese waren auch sehr bemüht, das Ganze in Ruhe beginnen zu lassen, um dann mit den Mitgliedern ihrer Vereine zu sprechen, Informationen, die wir ihnen geben, weiterzugeben und zu versuchen, das in normalen Bahnen verlaufen zu lassen.

Es ist aber auch ersichtlich, dass die Diskussionen sich nicht nur um diese Unterbringung hier drehen, sondern es allgemein um das Thema Ausländer und den Umgang mit diesen geht.

derStandard.at: Im Rahmen dieser tumultartigen Bürgerversammlung hat ein Kollegen zum lauten Publikum gemeint "Halten Sie die Goschn". Wie kam es dazu und wie sehen Sie diesen Tumult im Nachhinein?

Löhlein: Zunächst hat sich der Kollege bei der Informationsveranstaltung dafür entschuldigt. Diese Aussage war sicherlich ein Fehler. Zustande gekommen ist das so: Die Stimmung am Anfang war eben sehr aufgeregt. Und es gab Buh-Rufe, als versucht wurde die ersten Podiumsteilnehmer und die Informationen bekannt zu geben.

Der Auftritt von Herrn Hacker vom Fonds Soziales Wien war dann von Zwischen- und "Nein-Nein"-Rufen geprägt. Dann kam der Kollege von uns an die Reihe und sein genauer Wortlaut wurde dann in den Medien zitiert. Er hat gesagt, es ist halt ziemlich doof, zu einer Informationsversanstaltung zu kommen und dann durch Stör-Rufe zu verhindern, dass man etwas sagen kann.

derStandard.at: Es wurde von Seiten der SPÖ kritisiert, dass Strache und Schimanek diese Veranstaltung als Parteiveranstaltung für "politisches Kleingeld" missbraucht hätten – Wie sehen sie das?

Löhlein: Prinzipiell leben wir in einen demokratischen Land, in dem jeder zu solchen Informationsveranstaltungen kommen kann. Wobei es interessant war, dass der Chef der FPÖ Wien hier anwesend war und sich zu Wort gemeldet hat. Seine Botschaft war dort sicherlich eine politische, die auch nur von politischer Seite beantwortet werden kann.

derStandard.at: Wird ihre Arbeit durch das Verhalten der FPÖ behindert?

Löhlein: Erleichtert wird sie sicher nicht. Man hat zwei Möglichkeiten: Man kann mit den Menschen, die Befürchtungen haben, sprechen und ihnen erklären, was hier stattfindet oder man kann Befürchtungen schüren.

derStandard.at: Strache hat angekündigt, einen privaten Sicherheitsdienst zu bezahlen, gibt es einen solchen?

Löhlein: Hier im Haus nicht.

derStandard.at: Wie sieht die Zukunft des Heimes aus?

Löhlein: Jetzt ist es einmal klar, dass wir für dieses Jahr einen Vertrag mit dem Fonds Soziales Wien haben. Die weitere Entwicklung hängt dann sicher davon ab, was im Asylbereich allgemein passiert. Und wie das Zusammenleben hier funktioniert. Von den einzelnen Personen hängt es davon ab, wie das Asylverfahren vorangeht. Da stehen wir als Organisation zwar beratend zur Seite, können das aber nicht beeinflussen. Das wollen wir auch nicht. Aber es liegt im Interesse aller NGOs, dass diese Verfahren so rasch wie möglich abgeschlossen werden können, weil dadurch die Menschen auch arbeiten gehen können und einen Anspruch auf eine eigene Wohnung haben.

  • Oliver Löhlein: "Man hat zwei Möglichkeiten: Man kann mit den Menschen, die Befürchtungen haben, sprechen und ihnen erklären, was hier stattfindet oder man kann Befürchtungen schüren."
    foto: derstandard.at/rasch

    Oliver Löhlein: "Man hat zwei Möglichkeiten: Man kann mit den Menschen, die Befürchtungen haben, sprechen und ihnen erklären, was hier stattfindet oder man kann Befürchtungen schüren."

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