Recht auf Bildung - für viele nur ein Traum

4. Juli 2005, 10:58
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Experten diskutieren über Jugendrechte, Wahlaltersenkung und Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen

Baden - Wahlalterssenkung, Partizipation der Kinder und Jugendlichen sowie die optimale Ausbildung österreichischer Sozialpädagogen waren die Themen der Fachkonferenz der österreichischen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (FICE) letzte Woche in Baden bei Wien. Kinder- und Jugendrechtsexperten, Pädagogen, Vertreter des SOS-Kinderdorfs sowie der Kinderfreunde diskutierten über die bestmögliche Umsetzung der UNO-Kinderrechtskonvention sowie die Notwendigkeit, die Kinder-und Jugendrechte bald in der Verfassung zu verankern.

"Ich denke, es ist wichtig, Kinder in der Verfassung herauszunehmen und bewusstseinsbildend zu wirken. Das ist ähnlich wie bei der Frauenbewegung, wo eine Unterstreichung ihrer Rechte der Emanzipation sehr geholfen hat", erklärt Maria Orthofer vom Sozialministerium im Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD. Sie vermutet, dass Gegner der Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung, eine Konkurrenz zu den bereits verankerten Menschenrechten befürchten.

Ziel der UNO-Kinderrechtskonvention ist es, Kindern und Jugendlichen den Rahmen für freie Entfaltung und Selbstständigkeit zu geben, aber auch möglichen Gefahren, wie zum Beispiel Diskriminierung in der Schule oder Gewalt in der Familie vorzubeugen. Überdies soll den Jugendlichen die freie Gestaltung ihrer Umwelt ermöglicht werden.

Dass es noch einige Hürden auf dem steinigen Weg zur Verankerung in der Verfassung gibt, weiß auch Kinder-und Jugendanwalt Anton Schmid: "Der politisch gegebene Rahmen ist eine Katastrophe," so Schmid.

Ute Bock, Leiterin eines Heims für jugendliche Asylwerber und "Ersatzmama" für zahllose Asylanten in Wien, weiß aus der Praxis, dass es "sehr schlimm" um die Umsetzung der Kinderrechte steht. In Bezug auf das Flüchtlingslager in Traiskirchen schildert sie dem SCHÜLERSTANDARD die Situation der Teenager: "Die setzen dort die Jugendlichen einfach vor die Türe. Wer einmal eine Minute zu spät kommt, ist draußen und wird praktisch mit dem Tod bestraft. Er bekommt kein Essen, keine Unterkunft und keine Arbeit mehr. Was macht der Mensch dann? Er steht hilflos auf der Straße."

Auch eine Familie aus Simmering, die in Traiskirchen in einer vom Bund betreuten Wohnung lebt, könne von der Umsetzung des Rechts auf Bildung nur träumen: "Die Mutter erhält monatlich 40 Euro Taschengeld, hat zwei Kinder, und kann eines davon nicht in die Schule schicken, weil sie kein Geld für Schuhe hat! Das glaubt mir keiner", erzählt Ute Bock entrüstet. (DER STANDARD, Flora Eder, Katharina Gebetsberger, Printausgabe, 25.01.2005)

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