Suchmaschinen-NutzerInnen sind mehrheitlich naiv

Redaktion, 24. März 2005, 14:46
  • Artikelbild
    grafik: archiv

Gerade mal 38 Prozent sind sich bewusst, dass es bezahlte Suchergebnisse gibt

Bei der Nutzung von Google, Yahoo & Co haben sich US-User als naiv und wenig informiert über die Funktionsweise von Suchmaschinen gezeigt. Wie aus einer aktuellen Studie des Pew Internet & American Life Project hervorgeht, wissen nur 38 Prozent der User, dass es auch bezahlte Suchergebnisse gibt. 62 Prozent ist also die Werbung gar nicht bewusst und nur 18 Prozent behaupten, Werbung in jedem Fall von den "regulären Suchergebnissen" unterscheiden zu können. Ironischerweise geben gleichzeitig 45 Prozent der befragten User an, sie würden eine Suchmaschine nicht mehr verwenden, wenn bezahlte und "reguläre" Ergebnisse nicht klar unterscheidbar wären.

Naiv

"Suchmaschinen-User sind ein wenig wie Kinder, die ein schickes neues Spielzeug sofort ausprobieren wollen und daher die Spielanleitung nicht lesen", kommentiert Studienautorin Deborah Fallows das Ergebnis. Von jenen 38 Prozent der User, die sich der bezahlten Werbelinks bewusst sind, geben 47 Prozent an, in jedem Fall zwischen Werbung und Ergebnis unterscheiden zu können. Die Unterscheidung fällt also auch jenen schwer, die wissen, dass Google & Co mit Werbung Geld verdienen.

Unbedarft

Das Vertrauen in Suchmaschinen als "faire und unbefangene Informationsquellen" ist generell sehr hoch. 73 Prozent der User, die fünf Jahre oder weniger Interneterfahrung haben, sind dieser Meinung. Mit zunehmender Interneterfahrung sinkt das Vertrauen zwar, bleibt aber dennoch hoch (65 Prozent bei sechs Jahren oder mehr online). 87 Prozent geben an, dass sie "meistens ein Erfolgserlebnis" bei der Suche haben. "Suchmaschinen funktionieren scheinbar für alle", so Fallows. Die naiven User sind froh, schnelle Antworten auf einfache Fragen zu bekommen. Die mit Suchmaschinen vertrauten User sind zufrieden, weil sie wissen, was sie von der Suche erwarten können und wie sie die Suchmaschine klug nutzen.

Probleme

Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) geben an, dass die gesuchten Informationen zur Hälfte wichtig, zur Hälfte trivial sind. 28 Prozent geben an, meistens nach wichtigen Informationen zu suchen, 17 Prozent suchen hauptsächlich nach trivialen Infos. Es gibt einen Trend bei den Usern, eine Suchmaschine auszuwählen und dann nur diese zu verwenden. Das machen 44 Prozent der User so. 48 Prozent nutzen zwei bis drei Suchmaschinen, nur sieben Prozent testen mehr als drei.

56 Prozent der User nutzen täglich Suchmaschinen. 84 Prozent haben schon einmal auf diese Art eine Online-Suche gestartet. Die Hälfte der Befragten meint, auf Suchmaschinen verzichten zu können und mit traditionellen Mitteln zu Informationen zu kommen. 32 Prozent geben an, ohne Suchmaschine "nicht leben zu können". Bei den unter 30-Jährigen, die in der Regel weniger naiv sind und besser mit der Funktionsweise vertraut, geben sogar 36 Prozent an, im Internet ohne Suchmaschine auf verlorenem Posten zu stehen. Für die Studie wurden 2.200 US-User über 18 Jahre befragt. (pte)

Kommentar posten
23 Postings

Was soll so schlimm an bezahlten Fundstellen sein?

Im ganzen Leben darf man nicht alles glauben, was man hört oder liest. Wer mich beeinflussen will, hat einen Grund dafür. Die Werbung kann mir viel erzählen - was ich glaube und was nicht ist immer noch meine Sache!

Der Mythos vom "Internet als Quelle des Wissens"...

...objektiv, aktuell und demokratisch, zerbricht wieder einmal an einer solchen Meldung.

Es zeigt sich, was das Internet wirklich ist: Eine rasant mutierende Masse von Informationen, die einem nicht wirklich weiterhilft, solange ihr die ordnende Hand eines Redakteurs fehlt (wie es Clifford Stall formulierte).

Dabei denke ich weniger an Meinungen und Meinungsfreiheit, sondern mehr an sachlich falsche Informationen, welche die Benutzer für bare Münze nehmen. Weil es hip ist zu sagen: "Das stimmt sicher, habe ich sogar im Internet gelesen...".

Kein Telefonbuch

Viele sehen die Suchmaschine sicherlich noch als Telefonbuch für das Web. Der Unterschied ist nur, dass im Telefonbuch jeder, der einen Anschluss hat, "reinkommt". Bei Suchmaschinen ist das anders: Hier bleiben viele außen vor, aus vielerlei Gründen - denn Suchmaschinen funktionieren halt anders als Telefonbücher (weil das Internet anders funktioniert). Ob sich das ändern wird? Wahrscheinlich nicht. Auch über bestimmte Funktionsweisen und Interessen bei einem relativ alten Medium wie dem Fernsehen besteht ja oft wenig Kritik oder Hintergrundwissen über dessen Programmauswahl oder Vorgehensweisen.

versteh ich nicht

gibt es bei google bezahlte ergebnisse? jedenfalls nicht dass ich wüsste. natürlich gibt es werbung. aber die ist von den suchergebnissen getrennt.

Bezahlte Einträge

Leider ist es in der Tat nicht so, dass bezahlte Werbeeinträge von Suchergebnissen getrennt werden.
Aber nicht nur Geld bringt so manchem Unternehmen ein besseres Resultat bei Suchabfragen. Die Funktionalität von Suchmaschinen machen sich so manche zu Nutze, so etwa werden Schlagwörter - für den Leser nicht sichtbar - mehrere Male auf die Website gestellt, da z.B. Google nach Häufigkeit eines Suchbegriffs rankt. Also manipuliert wird - leider? - auch bei Suchmaschinen genug.

Wo gibt es einen Nachweis für bezahlte Werbeeinträge bei Google, die nicht von den Suchergebnissen getrennt werden? Verwende selbst erfolgreich AdSense und weniger erfolgreich AdWords.

Nicht repräsentativ

Es wurden ja nur amerikanische User befragt.
Die glauben ja sogar noch an Bush.

das ist, leider, mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit auch für österreich mehr als repräsentativ.

äh...

die US User glauben an Bush, und wir an Schüssel.

Samma stolz, wir Intellektuellen.

Die Selektion wird also unterstützt...

So what? Wer für die Platzierung seines Links zahlt, wird wohl auch was Vernünftiges zu bieten haben. Die "alles gratis" Obsession des Internets finde ich überzogen - und die vielen schlecht gemachten Webseiten von Amateuren will ich mit Google ohnehin nicht finden...

Was bedeutet Ihr Nickname?

Ring Freiheitlicher Chaoten?

Das sind meine Initialen...

... und bitte mich nicht in die Nähe der Blauen Banditen stellen...

tja,

wie bitte, glauben denn die unbedarften, kommt denn die liste auf google & co zustande? zufällig?? super, da läßt sich ja noch eine menge schotter machen...

die liste (wird gern als Suchergebnis bezeichnet), wie sie es nennen, enthält bei google keine bezahlte werbung.
lediglich die entsprechend gekennzeichneten verweise oben (vor dem eigentlichen resultat) und am rechten rand (ebenfalls gekennzeichnet) sind bezahlte werbung. (Adwords).

ich glaube nicht,

dass sich das ergebnis dieser studie aus den usa auf europäische verhältnisse umlegen lässt. hier (in europa) sind die leute zwar wahrscheinlich etwas weniger naiv, aber trotzdem kann einem angesichts der technischen unbedarftheit oft schlecht werden.

wie kommt es zu der these, europäer wären weniger naiv als amerikaner? haben sie relevante daten oder ist das nur eine ziemlich unlogische vermutung?

Frage

Wassind denn die derzeit wirklichen Alternativen zu Google?

alternativen..

aye, schwer..
altavista zb, technisch, da ich dort auch eine video suche hab, den hotbot verwend ich noch immer, mamma.com, die durchsucht mehrere andere SE, aber grundsätzlich gibts zu google keine wirkliche alternative. ka :: www.nnw.at

Wen Wunderts

Ich verstehe nur die Einschraenkung auf die "Funktionsweise von Suchmaschinen" nicht.

_Menschen_ sind mehrheitlich naiv.

Na und?

Ist das für die Betroffenen ein Problem?

schmetterlinge sind sich auch nicht dessen bewußt, daß sie dumm sind und dennoch glücklich...

kommt darauf an

wenn die naiven handlungen setzen, die andere betreffen, dann ist es für die betroffenen ein problem.
und vielleicht sind dann auch mal die naiven betroffen und bemerken es dann auch mal.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.