23 Gefangene wollten sich 2003 das Leben nehmen

15. Mai 2005, 11:28
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Gemeinsame Aktion sollte "Kampfansage" an Wärter sein

Miami - 23 Insassen des US-Gefangenenlagers Guantánamo auf Kuba wollten sich im August 2003 in einer gemeinsam geplanten Aktion das Leben nehmen. Die Terrorverdächtigen hätten sich binnen weniger Tage erhängen wollen, um die Ordnung im Gefängnis "zu stören" und einer neuen Gruppe von Wärtern "den Kampf anzusagen", sagte Jim Marshall, ein Sprecher der US-Kommandozentrale Süd (Southcom), am Montag in Miami. Die Selbstmorde seien für die Zeit zwischen dem 18. und 26. August 2003 geplant gewesen. Allein am 22. August wollten sich demnach zehn Gefangene das Leben nehmen. In zwei Fällen seien bisher "Selbstmordversuche" registriert worden. Einen Selbstmord habe es in Guantánamo bisher nicht gegeben.

Kein Kriegsgefangenenstatus

Auf dem US-Militärstützpunkt werden rund 550 Terrorverdächtige aus mehr als 20 Ländern gefangen gehalten, viele von ihnen bereits seit mehr als drei Jahren. Ihnen werden der Kriegsgefangenenstatus und der Schutz durch die Genfer Konventionen verweigert. Unter den Gefangenen sind auch Jugendliche unter 16 Jahren, wie das US-Militär bestätigte. Die Gefangenen werden verdächtigt, Verbindungen zu den fundamentalistischen Taliban in Afghanistan oder zum Terrornetzwerk Al Kaida (al-Qaeda) zu haben.

Die meisten Insassen, die - nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA - in Afghanistan und anderen Ländern festgenommen wurden, haben kein Recht auf einen Anwalt und wissen nicht, was konkret ihnen vorgeworfen wird. Die US-Armee und das US-Justizministerium ermitteln zu Vorwürfen der Gefangenenmisshandlung in Guantánamo.

Kritik des Bündnispartners

Der britische Kronanwalt Lord (Peter) Goldsmith hatte den USA wegen der Behandlung der Guantánamo-Häftlinge vorgeworfen, gegen elementare Grundsätze des Rechtsstaates zu verstoßen. Bei der Bekämpfung des Terrors gehe es schließlich um die Verteidigung demokratischer Grundwerte. Die Unschuldsvermutung, der Anspruch auf einen fairen Prozess und das Folterverbot hätten absoluten Vorrang, betonte der Lord.

Der frühere Menschenrechts-Beauftragte des anglikanischen Primas und Erzbischofs von Canterbury, Terry Waite, warf den USA menschenunwürdige Behandlung der Gefangenen vor. "Ich weiß, was Rechtlosigkeit heißt", hatte Waite gesagt, der von 1987 bis 1991 von einer islamisch-fundamentalischen Gruppe im Libanon festgehalten worden war.

Guantánamo-Häftlinge seien angekettet und in Käfige gesperrt. So etwas dürfe sich eine "zivilisierte Nation" nicht leisten. Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hatte in einem Beitrag für die "Washington Post" über Guantánamo geschrieben: "All das passt zu Unrechtsstaaten, die von amerikanischen Präsidenten in der Vergangenheit immer verurteilt worden sind." (APA)

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