US-Finanzminister bekennt sich zum Kampf gegen Dollarschwäche

4. Februar 2005, 11:01
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Regierung in Washington will Defizit in den Griff bekommen - Peking zu größerer Flexibilität in Währungsfragen aufgerufen

Washington - Der Finanzminister der USA, John Snow, hat sich zum Kampf gegen die Dollarschwäche bekannt. Die US-Regierung setze sich dafür ein, das Budgetdefizit in den Griff zu bekommen, um damit den Dollar zu stützen, sagte er am Montag in einem Interview mit dem US-Sender CNBC.

Snow rief aber auch die Handelspartner dazu auf, ebenfalls ihren Teil zu tun, um das Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft auszubalancieren.

"Wir können nicht der einzige Wachstumsmotor in der Welt sein", sagte er. "Wenn unsere Handelspartner wachsen, ist das gut für unsere Exporte." Snow rief die chinesische Regierung zu einer Lockerung des Yuan-Kurses und mehr Flexibilität in Währungsfragen auf.

Aufforderungen aus Europa

Am Montag hatten die Finanzminister Deutschlands und Frankreichs die USA aufgefordert, Maßnahmen gegen den schwachen Dollar zu ergreifen. Die Minister machten bei einem Treffen in Paris vor allem das Rekord-Budgetdefizit der Amerikaner für die Dollarschwäche gegenüber dem Euro verantwortlich.

Der französische Finanzminister Herve Gaymard sagte, die Dollarschwäche solle auch beim nächsten Treffen der G-7-Finanzminister erörtert werden, damit konkrete Festlegungen getroffen werden könnten.

Das Treffen ist für den 4. und 5. Februar in London geplant. Dazu sind auch Vertreter aus China, Indien, Brasilien, Südafrika und Russland eingeladen.

"Keine spektakuläre Entscheidungen"

Der deutsche Finanzminister Hans Eichel meinte, niemand solle sich von dem Treffen spektakuläre Entscheidungen erhoffen. Jeder müsse aber das Notwendige tun, um das Ungleichgewicht wieder ins Lot zu bringen. Europa habe schon mehr als genug getan, meinten die beiden Minister.

Der chinesische Yuan ist an den Dollar gekoppelt, was Ausfuhren europäischer Produkte nach Asien verteuert. Das exportstarke Deutschland bekommt dies zu spüren. China kann dafür billig exportieren.

Die USA und die EU haben China wiederholt zu einer flexibleren Wechselkurspolitik aufgefordert. Peking sagte aber lediglich eine Überprüfung seiner Praxis zu.

Yuan 20 Prozent unterbewertet

Experten schätzen, dass der Yuan etwa 20 Prozent im Vergleich zum Dollar unterbewertet ist. Chinesische Ausfuhren würden dadurch künstlich verbilligt. In Europa wird beklagt, dass der Euro den größten Teil der Dollarabschwächung abgefangen habe, während asiatische Länder dem Aufwärtsdruck auf ihre Währungen entgegentreten seien. Dadurch sei der Euro gestiegen, was wiederum europäische Waren auf dem Weltmarkt verteuert habe. (APA/AP)

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