Feichtlbauer kritisiert Bischof Küng

11. Februar 2005, 15:48
29 Postings

"Und dann ist es immer der Zeitgeist"

Wien/Linz - "Was ich der Kirchenleitung vorwerfe, ist, dass sie so gut wie allen die Freude an der Kirche genommen hat." Für den katholischen Publizisten und früheren Chef der Plattform "Wir sind Kirche", Hubert Feichtlbauer, ist der Auftritt des St. Pöltner Bischofs Klaus Küng Sonntagabend in der ORF-Sendung "offen gesagt" dafür ein typisches Beispiel. "Und dann ist es immer der Zeitgeist oder die Bequemlichkeit der Leute. Hauptsache man verhindert, dass sich etwas ändert", kommentiert Feichtlbauer die Versuche Küngs, die Austrittswelle in der römisch-katholischen Kirche zu erklären.

Tiefpunkt erreicht?

"Wenn man genauer hinschaut, ist die Bindung zur Kirche bei so und so vielen dünn geworden. Es genügt ein Anlass, dass das zu Austritten führt", hatte Küng als Austrittsgründe genannt und gleichzeitig aber eingeräumt, dass er nicht sicher sei, "ob wir schon am Tiefpunkt sind". Ganz anders Helmut Schüller, der Ombudsmann für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Wien: Er kritisierte in "offen gesagt" den mangelnden Fortschritt in der Ökumene und den Umgang der Kirche mit dem Priestermangel. Schüller warnte, dass in einiger Zeit auch "Kernschicht-Gebundene" austreten könnten. Grund sei unter anderem die "Ausdünnung" der Pfarren durch den Priestermangel. Die Antwort Küngs: "Sie haben die Neigung, immer auf die Kirche eins draufzuhauen."

Tatsache ist: Die Zahl der Diözesanpriester hat sich in den vergangenen 50 Jahren um ein Drittel reduziert (von 3302 im Jahr 1950 auf 2450 im Jahr 2003). (APA, pm, DER STANDARD - Printausgabe, 25.01.2005)

Share if you care.