EU-Zuckerdilemma mit Afrika und dem Pazifikraum

4. Februar 2005, 10:54
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Die EU will die Über-Subventionierung für Zuckerproduzenten kürzen. Staaten aus Afrika, der Karibik und dem Pazifik geht die Liberalisierung aber zu schnell

"Preise runter, Quoten rauf und das hilft den Armen - so einfach ist es leider nicht", seufzt Landwirtschaftsminister Josef Pröll. Er hat am Montag in Brüssel mit seinen EU-Ministerkollegen die Folgen der geplanten Zuckermarkt-Reform für die Länder der Dritten Welt beraten. Die EU will ihre subventionierte Überproduktion reduzieren und Unterstützungen für die europäische Zuckerproduktion zurückfahren.

Diese Liberalisierung hält die EU für unumgänglich: Liegt doch der Zuckerpreis in Europa um ein Drittel über den Weltmarktpreisen. Diese Liberalisierung geht den Zuckerexporteuren unter den Entwicklungsländern aber zu schnell: Minister von 32 Staaten aus Afrika, der Karibik und dem Pazifikraum (AKP) forderten beim EU-Agrarministerrat in Brüssel am Montag, die für Herbst 2005 geplante Zuckerreform nach hinten zu verschieben. Die Freigabe der Preise käme zu rasch.

WTO drängt auf rasche Reform

Der Hintergrund: Die AKP-Länder exportieren 1,3 Millionen Tonnen Zucker pro Jahr in die EU. Dafür erhalten sie als Entwicklungshilfe den subventionierten Preis, den die EU-Zuckerproduzenten (die größten sind Frankreich und Deutschland) bekommen. Von einer Liberalisierung erwarten sich die AKP-Staaten nun nicht steigende Exporte, sondern Nachteile, weil sie mit dem wettbewerbsfähigeren Staaten (wie Brasilien) nicht mithalten können.

Daher haben die Agrarminister Montag vereinbart, den AKP-Ländern "maßgeschneiderte Programme" anzubieten. Diese müssen aber, und das macht die Sache kompliziert, auch mit der Welthandelsorganisation (WTO) kompatibel sein: Hat doch die WTO die Zuckersubventionen der EU für rechtswidrig erklärt - Brasilien und Thailand hatten geklagt. Die WTO drängt auf eine rasche Reform des europäischen Zuckermarktes. Mit einer Einigung über die Reform wird im Sommer gerechnet.

Getreideberg wächst

Schneller sollte die EU bei Getreide handeln, fordert Pröll. Derzeit sitzt die EU dank der guten Ernte 2004 auf einem Getreideberg von zehn Millionen Tonnen. Pröll forderte daher, unterstützt von Ungarn: Die EU müsse rasch handeln und die Lager abbauen. Der von der EU-Kommission zugesagte Verkauf von zwei Millionen Tonnen Getreide sei zu wenig. (Eva Linsinger aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2005)

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    Obwohl Zuckerrohr noch immer mit hohem Personaleinsatz angebaut wird, liegen die Weltmarktpreise weit unter denen von Zuckerrüben.

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