Grimming von allen Seiten

    27. August 2003, 11:37
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    Eine der schönsten Radstrecken der Steiermark

    Mit dem Vorschlag, per Rad den Grimming zu umrunden, provoziert man mitunter verdutzte Gesichter, denn auf den ersten Blick scheint diese Tour nur kraftstrotzenden Mountainbikern zumutbar. Nun, über zwei "Schiebestrecken" - auf den Mitterberg und zum Salzastausee - kommt man nicht umhin, der Rest der Runde aber weist kaum mehr Steigungen auf und führt durch eine traumhafte Landschaft von einem Höhepunkt zum anderen. Und da der asphaltierte Güterweg entlang des Stausees für den allgemeinen Verkehr gesperrt ist, bleibt der Radler auf dem interessantesten Abschnitt der Runde von Autos unbehelligt. Sonst bewegt er sich auf Radrouten oder sehr wenig befahrenen Nebenstraßen ausschließlich auf Asphalt.

    Es gibt sogar eine Möglichkeit, die beiden langen Steigungen zu "umgehen": Man chartert einen Taxibus und läßt sich bis zum Schranken vor dem Salzastausee bringen. Man könnte den Mitterberg auch umfahren, müßte aber dann mehrere Kilometer auf der frequentierten Bundesstraße - der sogenannten Gastarbeiterroute - radeln, was keineswegs empfohlen werden soll.

    Auf der Runde kann man den mächtigen Grimming von allen Seiten bewundern. Der Berg galt einst als der höchste der Steiermark - "mons altissimus" -, weil er das Ennstal beherrscht. Die Route führt zwischen Neuhofen und Klachau durch eine almähnliche Landschaft, in der im Frühjahr Tausende Narzissen blühen. Man passiert die Skiflugschanze Kulm und wundert sich, daß da überhaupt Menschen 200 m weit "hupfen" können, ohne sich den Hals zu brechen. Und man kann natürlich einen kurzen Abstecher nach Pürgg unternehmen, um die kulturell bedeutende Kirche und die berühmten Fresken in der Johanneskapelle zu besichtigen. Am Weg liegt auch das Schloß Trautenfels mit dem Ennstaler Landschaftsmuseum. Wie auf einer Perlenkette sind landschaftliche und kulturelle Attraktionen aneinander gereiht, langweilig wird einem auf dieser Strecke sicherlich nicht, die ohne Zweifel zu den besonders lohnenden Radkursen in der grünen Mark und in ganz Österreich zählt.

    Vom Ausgangspunkt Öb-larn geht es hinauf auf den Mitterberg und dann in flotter Abfahrt nach Tipschern. Man quert die Bundesstraße und beginnt den Anstieg zur Staumauer des Salzakraftwerks. Damit hat man die wesentlichen Steigungen hinter sich, fast eben radelt man nach Neuhofen und folgt dann dem Salzkammergut-Radweg R 19 über Krungl zur Skiflugschanze Kulm und nach Klachau. Auf der alten, kaum befahrenen Bundesstraße geht es talwärts, den Abstecher nach Pürgg sollte man nicht auslassen. Über Unterburg erreicht man das Ennstal, Trautenfels und Irdning. Nun schwenkt man auf den Ennstal-Radweg R 7 ein und fährt über Niederöblarn zum Ausgangspunkt zurück.

    Ab Krungl bewegt man sich immer in der Nähe der Bahn, kann die Tour daher jederzeit abbrechen. Die Distanzen: Öblarn-Mitterberg-Tipschern 5 km, Tipschern-Salzastausee 4 km, Salzastausee-Neuhofen 7 km, Neuhofen-Pürgg 15 km, Pürgg-Irdning 9 km, Irdning-Öblarn 12 km; gesamt 51 km. Höhenunterschied rund 650 m. Gasthäuser auf der ganzen Strecke. Schubert & Franzke Radwanderkarte, Salzkammergut, Maßstab 1:75.000

    © DER STANDARD, 1./2. August 1998 Automatically processed by COMLAB NewsBench

    Bernd Orfer
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