Energie AG-Chef: "Letzte Chance für Stromlösung"

4. Februar 2005, 11:13
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Sollte der Wirtschaftsminister als Verbund-Eigentümervertreter in den kommenden Wochen kein Machtwort sprechen, ist die ÖSL für Leo Windtner endgültig gestorben

Wien – Fast drei Jahre wird über die Zusammenführung des Stromvertriebs von Verbund und Energie Allianz zur Österreichischen Stromlösung (Ösl) verhandelt – "zu lange," wie der Chef der Energie AG Oberösterreich, Leo Windtner, meint. Rund fünf Mio. Euro seien bisher allein an Beratungs- und Rechtsanwaltskosten angefallen, nun müsse man zu einem Ende kommen – wie auch immer.

Der Ball liege bei Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Dieser sollte als Eigentümervertreter des Verbund dem Management entsprechende Order geben, falls er weiter hinter der Stromlösung steht. Wenn nicht, müssten sich die Partner der Allianz anderweitig orientieren – zusammen oder getrennt.

Politischer Wille

In der Energie Allianz haben die mehrheitlich in Landesbesitz stehenden Stromversorger von Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und Burgenland ihren Stromvertrieb gebündelt. Es war die Politik, die vor drei Jahren den Verbund in die Stromlösung zwang mit der Intention, einen Abverkauf österreichischer Wasserkraft an das Ausland zu verhindern. Die Verbundgesellschaft stand damals kurz vor Unterzeichnung eines Joint Ventures mit dem deutschen Stromriesen Eon.

Harsche Kritik nicht zuletzt aus der Wirtschaftskammer an der Strompreispolitik und Verdacht auf Marktabschottung haben zuletzt auch die Wettbewerbsbehörde zu einer detaillierten Untersuchung der Branche veranlasst. Der Endbericht wird für Anfang Sommer erwartet. Von Verbundseite wurde mehrfach betont, kein Interesse mehr an der Stromlösung zu haben, auch weil sich die ursprünglich errechneten Synergien nicht mehr realisieren ließen.

Windtner, der mit Jahresbeginn den Vorsitz in der Gesellschafterversammlung der Energie Allianz übernommen hat, macht sich keine Illusionen. "Wenn in den kommenden Wochen nicht eine dramatische Wendung eintritt, fürchte ich, dass aus der Österreichischen Stromlösung nichts mehr wird."

Windtner will auf jeden Fall versuchen, die bisher defensiv agierende Gruppe in eine "aktive Allianz" umzumodeln. "Die Märkte außerhalb der Allianz-Grenzen müssen offensiver angegangen werden", sagte der Energie-AG-Chef in einer Pressekonferenz am Montag. Potenzial sieht er vor allem in Süddeutschland.

Expansion in Slowakei

Die Energie Allianz selbst hat die Weichen auf Expansion gestellt – insbesondere in den neuen Geschäftsfeldern Wasser und Entsorgung. Nach Tschechien und Ungarn, wo sich die Oberösterreicher im Vorjahr größer eingekauft haben, wird zurzeit die Übernahme eines bestehenden Entsorgungsbetriebs in der Slowakei sondiert. Im Geschäftsjahr 2008/9 soll bereits ein Drittel vom Umsatz im Nicht-Strombereich erwirtschaftet werden.

Im Vorjahr hat die Energie AG Oberösterreich nicht zuletzt aufgrund des Ostgeschäfts den größten Wachstumsschub in der 122-jährigen Unternehmensgeschichte verzeichnet. Der Konzernumsatz erhöhte sich auf 695,2 (2002/3: 602) Mio. Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich auf 79,6 (48,6) Mio. Euro.

Bei den Strompreisen verwies Windtner auf den Staat. Dieser sei über die Steuer eindeutig der größte Preistreiber. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2005)

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    Energie AG-Chef Leo Windtner führt seit Jahresbeginn den Vorsitz in der Gesellschafterversammlung der Energie Allianz.

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