Regierung wirbt für "Lehre mit Matura"

3. Februar 2005, 10:31
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Noch immer keine EU-Anerkennung für die seit 1997 bestehende Berufsreifeprüfung

Wien – Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer sowie der Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, Egon Blum, rührten am Montag die Werbetrommel für "neue Wege in der Lehrlingsausbildung". Der Schwerpunkt der Pressekonferenz: Die seit 1997 existierende Berufsreifeprüfung, also die Möglichkeit der Matura nach erfolgtem Lehrabschluss samt einhergehender Berechtigung für ein Studium an Uni oder Fachhochschule.

"Nur fünf Prozent, wenn überhaupt, kennen diesen Ausbildungsweg", rechtfertigte Blum die Themenwahl vor Journalisten. Ergänzend zum medialen Auftritt soll in einer Kampagne an Schulen und in Betrieben über die oft als "Schmalspurmatura" gescholtene Berufsreifeprüfung informiert werden. Einen Haken hat die Berufsreifeprüfung nach wie vor: Außerhalb Österreichs ist sie nicht anerkannt. Gehrer versprach: "Wir werden dieses Thema auf EU-Ebene angehen. Ich poche auf den Gleichheitsgrundsatz."

Relativ neu ist das Regierungsziel, bis zu 500 "überbetriebliche" Ausbildungsplätze für Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf oder in Regionen mit zu wenig Lehrbetrieben anzubieten. Bisher gibt es 30 solcher Ausbildungsplätze in Vorarlberg. In Wien starte demnächst das Vergabeverfahren für rund 200 Plätze. Fix geplant seien auch schon 45 Plätze im Burgenland.

"Praktikerberufe"

Ebenfalls relativ neu, wenn von den selbst gesteckten Zielen jedoch auch noch etwas entfernt, sind die so genannten "Praktikerberufe". Das sind dreijährige Lehrberufe, bei denen schwerpunktmäßig die praktische Ausbildung forciert wird. Bisher gibt es den Beruf "Metallpraktiker", aber noch keine Lehrbetriebe, die ihn anbieten. Die Berufe "Holzpraktiker" sowie "Natur- und Umweltpraktiker" seien in Planung und stünden "spätestens im nächsten Jahr" zur Verfügung, hieß es.

Als "sehr erfolgreich" wurde die im Vorjahr begonnene Tätigkeit von bundesweit 14 Lehrstellenakquisiteuren bezeichnet. Diese hätten für heuer 1600 zusätzliche Lehrstellen in Aussicht gestellt. (miba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2005)

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