"Endlich ist die Ideologie aus der Diskussion weg"

25. Oktober 2006, 14:05
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Der Erziehungswissenschafter Richard Olechowski spricht sich für die Ganztagsschule aus und mahnt zu sensibler Diskussionskultur

Wien - Alles in allem pro Ganztagsschule plädiert der Wiener Erziehungswissenschafter Richard Olechowski. Begrüßenswert sei vor allem die Tatsache, dass die Ideologie, welche die Diskussion Jahrzehnte lang beherrschte, nun langsam in den Hintergrund trete, so der Experte am Montag gegenüber der APA.

Vor- und Nachteile

So habe sich die SPÖ bereits in den 70er Jahren auf das Modell Tagesheimschule eingeschworen, was bedeute, dass die Schüler den Tag über abwechselnd Unterricht, Freizeit und Übungen hätten. Die ÖVP plädiere dagegen für die Möglichkeit der nachmittäglichen Aufgabenbetreuung.

Man müsse sich klar sein, dass beide Modelle Vor- und Nachteile hätten. So bedeute die Tagesheimschule ein weg vom Block-Unterricht über bis zu sechs Stunden. "Jeder Lehrer weiß, wie schwierig der Unterricht in einer fünften oder sechsten Stunde ist", so Olechowski. Über den ganzen Tag verteilt, sei der Unterricht leichter zu verdauen. Aber auch dabei sei zu beachten, dass die Aufmerksamkeit Tagesrhythmen unterliege.

Außerschulische Aktivitäten beschränkt

Ein großer Nachteil dieses Systems sei aber, dass außerschulische Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen, seien es Ballett oder Pfadfindermitgliedschaften, zu einem Problem werden könnten. Hier wäre das Modell der nachmittäglichen Aufgabenbetreuung flexibler, die Kinder könnten sich für bestimmte Aktivitäten gleichsam auch frei nehmen, ist der Bildungsexperte überzeugt.

Mischform möglich

"Warum also nicht eine Mischform der beiden Modelle einführen?", sagte Olechowski. Denkbar sei etwa zwei oder drei Tage Modell Tagesheimschule und ein oder zwei Tage nur Aufgabenbetreuung. Ideal wäre diese tageweise Einteilung bundesweit zu treffen, dann könnten sich außerschulische Organisationen der Jugendbetreuung - "von den Roten Falken bis zur Katholischen Jungschar" - darauf einstellen. In jedem Fall müsse gewährleistet sein, dass nach Ende der Ganztagsschule keine Hausaufgaben mehr anfallen, sonst würde sicher das Familienleben leiden.

Zeitgemäße Umstellung

Eine Umstellung auf eine Fünftagewoche im Schulbereich sei "jedenfalls zeitgemäß", so Olechowski weiter. So sei praktisch die ganze Gesellschaft auf eine solche Woche mit einem langen Wochenende eingestellt, die Schule asymmetrisch zu führen, sei wenig sinnvoll. Allerdings müsse man doch beachten, dass die Lernzeiten nicht beliebig konzentriert werden könnten. (APA)

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