Medizin-Uni Wien für frühere Auswahl der Studierenden

3. Mai 2005, 12:14
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Vizerektor Mallinger will Prüfung vorverlegen und verteidigt bestehendes Auswahlverfahren

Wien – Sollte der Europäische Gerichtshof der Empfehlung des Generalanwaltes folgen, müssten sich insbesondere die heimischen Medizin-Unis auf einen möglichen Ansturm deutscher Studenten, die dem dortigen Numerus clausus entgehen wollen, vorbereiten.

Rudolf Mallinger, Vizerektor für Lehre an der Medizin- Uni Wien, plädiert daher im Standard-Gespräch für eine Vorverlegung der Studierendenauswahl: "Im Lichte des zu erwartenden EuGH-Urteils können wir den ersten Studienabschnitt in der derzeitigen Form ohnehin nicht aufrechterhalten." Mit 1500 Studienanfängern in den letzten zwei Jahren habe man "die absolute Grenze des Möglichen" erreicht. Eine frühere Selektion soll Abhilfe schaffen.

Der seit dem Wintersemester 2003/04 neu eingeführte Studienplan sieht eine einjährige Studieneingangsphase vor, an deren Ende die "Summative integrierte Prüfung" (SIP) steht. Nur wer diese Hürde schafft, hat Anspruch auf einen Praktikumsplatz im zweiten Abschnitt. Und auch das nur in der Theorie.

Ganze 42 Studenten der Humanmedizin, die im Herbst 2004 die Prüfung erfolgreich absolvierten, kommen erst im Wintersemester 2005 zum Zug. Ihr Nachteil: Die Uni-Leitung muss laut Gesetz nur 600 Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. Kommen mehr Leute durch, haben jene mit den schlechtesten Resultaten das Nachsehen. In der Zwischenzeit können sie nur Wahlfächer im Umfang von 15 Semesterstunden absolvieren. Verhandlungen über ein Vorziehen der Famulatur zwischen Rektorat und Universitätsvertretung sind gescheitert, ärgert sich Studierendenvorsitzende Judith Böhm.

Mallinger kann den Unmut jener verstehen, die "in einen Riesenvorraum kommen", dann vor einer "engen Tür" stehen und dort nicht verweilen wollen. Sein Vorschlag: Das Aussiebverfahren solle an den Studienbeginn, zumindest aber nach vorne verlegt werden. Allerdings müsse dann "jedem bewusst sein, dass wir in diesem halben Jahr nur Frontalvorlesungen für riesige Studierendenmassen anbieten können. Ob das die sinnvollste Zeitökonomie ist", bleibe dahingestellt.

Den Vorwurf, die Prüfungsmodalität im neuen Curriculum sei bereits ein Knock-out- System, will Mallinger nicht akzeptieren. Das sei ein "völlig transparentes Verfahren". Wer 60 Prozent der Antworten richtig hat, kommt durch. Beim letzten Test konnten nur 6,5 Prozent der Studenten diese Anforderungen erfüllen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2005)

Von Karin Moser

Medizinstudium

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