IBM-Lenovo-Deal droht US-Veto

3. Februar 2005, 14:48
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Der Verkauf der IBM-PC-Sparte an den chinesischen Computerhersteller Lenovo steht auf der Kippe. US-Behörden wittern die Gefahr von Industriespionage

Wien/San Francisco – Der von dem Computerhersteller IBM geplante Verkauf seiner PC-Sparte an die chinesische Lenovo-Gruppe könnte einem Agenturbericht zufolge am Veto der US-Behörden scheitern. Mitglieder des für ausländische Investitionen in den USA zuständigen Komitees CFIUS (Committee on Foreign Investments in the United States) hätten Sorgen um die nationale Sicherheit angemeldet, berichtet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Situation vertraute Kreise. Das Komitee befürchte, Mitarbeiter von Lenovo würden benutzt, um Industriespionage zu betreiben.

Der US-Computerkonzern IBM hatte Anfang Dezember seine PC-Sparte für 1,25 Mrd. Dollar (929 Mio. Euro) an den chinesischen Computerhersteller Lenovo verkauft. Der chinesische Technologiekonzern war bis dahin kaum außerhalb Chinas tätig gewesen. Hauptsitz des Lenovo-PC-Geschäfts soll New York sein.

Experten rätseln

Experten sind über das Vorgehen des Komitees verwundert, da IBM und Lenovo in der Computerproduktion schon vor dem Verkauf der PC-Sparte eng kooperiert haben und die PC-Produktionsanlagen von IBM ohnehin weit gehend in China lagen. Auch weisen sie darauf hin, dass es in dieser Branche kaum noch technisches Know-how gibt. Von der US-amerikanischen Wettbewerbsbehörde hatte der Deal bereits grünes Licht bekommen. Die Branchenexperten gehen daher weiterhin davon aus, dass die Übernahme durchgeführt werden kann.

Anders reagierte allerdings die Börse. So konnte Lenovo am gestrigen Montag einen Anstieg von 4,5 Prozent verbuchen. Denn sollte diese Übernahme nicht genehmigt werden, wird Lenovo sich den Übernahmepreis von 1,25 Milliarden Dollar sparen können. (red, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2005)

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