Arten sterben so schnell wie nie

4. Februar 2005, 13:47
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Stärkste Bedrohung seit Dinosaurier-Zeiten - Artenschutz-Konferenz mit dringenden Appellen eröffnet

Paris - Die natürliche Vielfalt rund um den Globus ist derzeit so stark bedroht wie seit Urzeiten nicht mehr: Seit Ausrottung der Dinosaurier vor Jahrmillionen habe es keine Krise wie die derzeitige gegeben, sagte der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, am Montag zur Eröffnung einer großen Artenschutzkonferenz am Pariser UNESCO-Sitz.

Die Menschen müssten Mittel finden, um das Aussterben der Arten zu stoppen, forderte Töpfer. Frankreichs Präsident Jacques Chirac, auf dessen Initiative die Konferenz zurückgeht, versprach konkrete Schritte unter anderem zum Schutz der Korallen. Naturschützer begleiteten die Konferenz mit Skepsis.

Rote Listen immer länger

Als akut bedroht stehen derzeit weltweit knapp 15.600 Arten auf Roten Listen, darunter jedes vierte Säugetier, jeder achte Vogel oder jeder dritte Lurch. Der Pariser Wissenschafter Robert Barbault sagte, das Ausrotten von Arten gehe derzeit teils innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten vor sich und stelle die Anpassungsfähigkeit von Tieren und Pflanzen auf harte Proben. Anders als zu Zeiten der Dinosaurier könne und müsse der Mensch aber diesmal eingreifen.

Töpfer, betonte, verstärkte Anstrengungen im Umweltschutz sollten eine Konsequenz aus den Tsunamis im Indischen Ozean sein. "Mangroven und Korallenriffe können eine Pufferfunktion gegen Naturkatastrophen übernehmen." Der Exekutivsekretär der internationalen Artenschutz-Konvention von 1992, Hamdallah Zedan sagte, nach bislang vorliegenden Erkenntnissen seien Regionen mit "intakten Ökosystemen" von den Flutwellen am 26. Dezember weniger stark getroffen worden als Gebiete etwa mit zerstörten Mangrovenwäldern. 45 Prozent des Urwaldes seien bereits vernichtet, ebenso wie zehn Prozent der Korallenriffe.

Alarmsignale

Die bis Freitag angesetzte Konferenz am Pariser UNESCO-Sitz mit rund 1.200 Wissenschaftern und politisch Verantwortlichen hatte Chirac auf dem G-8-Gipfel von Evian 2003 angeregt. Das Treffen solle eine "entscheidende Etappe" hin zu einem umfassenden Artenschutz darstellen, sagte Chirac. "Auf allen Kontinenten und in allen Ozeanen gehen die Alarmsignale an." Als Beispiele nannte der französische Staatschef "die Zerstörung der ursprünglichen Regenwälder, den langsamen Tod der Korallenriffe und den drastischen Populationsrückgang bei den großen Säugetieren".

Frankreich will nach den Worten Chiracs bis 2006 Nationalparks auf seinen Überseegebieten in der Insel La Réunion im Indischen Ozean sowie in Französisch-Guyana einrichten. Naturschutzgebiete sollen auch in den zu Frankreich zählenden Teilen der Antarktis-Region geschaffen werden. In Neukaledonien im Südwestpazifik werde Frankreich den Schutz der Korallenbarriere verstärken und darauf hinarbeiten, dass diese in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen werde.

Tropenwälder verschwinden

Die Umweltorganisation Greenpeace prangerte ein ungebremstes Abholzen der Tropenwälder an. "Alle sechs Stunden verschwindet eine Waldfläche von der Größe der Stadt Paris", erklärten Greenpeace und die Organisation Freunde der Erde. Der Frankreich-Direktor der Weltunion für die Natur (UICN), Sebastien Moncorps, sagte, das Aussterben von Arten spiele sich nicht nur "am Ende der Welt" ab, sondern vor der eigenen Haustüre. Als Beispiele nannte er die Mittelmeer-Mönchsrobbe und den Pyrenäen-Steinbock. (APA)

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    Auch Korallen stehen auf der Roten Liste ganz oben.

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