"Es gibt ein Ablaufdatum für das Chemie-Hochhaus"

21. Dezember 2005, 14:26
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TU-Wien: Johannes Fröhlich, Dekan der Technischen Chemie, ist trotz des Widerstandes der Studierenden interessiert an Tulln - Wien stellt Flugfeld Aspern als Alternative vor

Für den Dekan der Technischen Chemie an der TU Wien, Johannes Fröhlich, ist die Debatte um einen möglichen Umzug nach Tulln erfreulich: "Es gibt eine positive Stimmung an unserer Fakultät, dass sich etwas tut, nachdem jahrelang nichts geschehen ist." Gerade seine Fakultät ist neben der Fakultät für Maschinenbau das größte Sorgenkind der TU Wien, das Chemie-Hochhaus am Wiener Getreidemarkt ein Sanierungsfall. "Es gibt ein Ablaufdatum für unser Gebäude am Getreidemarkt", beschreibt Fröhlich die Lage gegenüber derStandard.at/Uni.

Neubau am Getreidemarkt liegt auf Eis

Der im Rahmen des Generalsanierungsplans der Regierung in Aussicht gestellte Neubau gleich hinter dem Chemie-Hochhaus sowie die Renovierung des Hauses liegt inzwischen auf Eis, der Dekan macht aber auch klar, dass es für ihn keine besonders attraktive Lösung wäre: "Die Renovierung müsste großteils während des laufenden Betriebs passieren. Ich habe sowas schon einmal erlebt und das ist wirklich nicht optimal", so Fröhlich. Der Dekan sieht das pragmatisch: "Wenn es keine andere Option gibt außer Warten, dann bin ich dafür, dass wir nach Tulln gehen."

Die Studierenden sehen das völlig anders: "Wir verstehen nicht, warum das Projekt am Getreidemarkt so schlecht dargestellt wird, zumal es angeblich bereits eine Finanzierung dafür gab", wundert sich Robert Bischof von der Fachschaft für Technische Chemie. "Wir wären dafür, dass der Getreidemarkt weiterverfolgt wird", bekräftigt der Studierendenvertreter die Position der ÖH an der TU.

Als Alternative zum Projekt Getreidemarkt kommt für die Studierenden nur das Angebot der Stadt Wien in Frage: "Aspern wäre uns lieber, weil da wenigstens noch eine U-Bahn hinfährt und man es noch irgendwie als Standort in Wien sehen kann."

Wien bewirbt Standort Aspern

Die Stadt Wien legt sich nun auch ordentlich ins Zeug, um der TU den Standort Wien schmackhaft zu machen: "Wir wollen, dass die TU in Wien bleibt, denn es ist eine international anerkannte Ausbildungs- und Foschungsstätte", erklärt Wolfgang Gatschnegg, Pressesprecher von Finanzstadtrat Sepp Rieder. Die Stadt Wien gibt sich flexibel: "Wir haben acht verschiedene Alternativen vorgelegt, die vom Umzug von nur zwei Fakultäten bis hin zur Komplett-Übersiedelung reichen."

Von den Alternativen wird bislang nur das Flugfeld Aspern genannt. Aus der Sicht der Stadt Wien eignet sich Aspern in mehrerlei Hinsicht für einen Umzug: "Wenn die TU Wien als Ganzes umziehen will, hätte sie einen Bedarf von 300.000 Quadratmetern, in dieser Größenordnung bewegt sich auch das Flugfeld Aspern", betont Gatschnegg. Zudem werde Aspern durch die U2 direkt an das Verkehrsnetz der Stadt Wien angeschlossen. Man rechne zwar damit, dass Aspern erst im Jahr 2011 "optimal erschlossen" ist, bis dahin könne aber ein Shuttlebus eingerichtet werden. Schließlich führt Gatschnegg noch Synergieeffekte an, die sich für die TU in Aspern ergeben würden, da in der Gegend Unternehmen wie General Motors oder Siemens angesiedelt sind. Die Stadt Wien sei aber zuversichtlich, dass die TU in Wien bleibt.

Tullner Bürgermeister Stift: "Entscheidung liegt bei der TU"

In Tulln reagiert man zurückhaltend auf die Spekulationen über die TU. Für den Bürgermeister Willi Stift liegt die Entscheidung nun bei der TU. "Wir haben unser Angebot vorgelegt und sind vorbereitet. Aber es ist eine TU-interne Sache, deshalb kann ich mich dazu nicht äußern." Allerdings betont auch er noch einmal einen Vorteil des Standortes Tulln: "Es gibt hier die IFA, das Interuniversitäre Department für Agrarbiotechnologie. Da ist auch die Technik dabei, was ein Anknüpfungspunkt für die TU wäre." Ein Vorteil, den auch Dekan Fröhlich zu schätzen weiß: "Da gibt es gute und interessante Anknüpfungspunkte, was durchaus ein interessanter Aspekt ist."

Fröhlich will mit den Studierenden im Dialog bleiben. Er könne ihre Bedenken sehr gut verstehen, betont er. Bei einer HörerInnenversammlung will der Dekan die Studierenden über die verschiedenen Szenarien informieren. Am Zug sei nun aber das Rektorat, so Fröhlich.

Gesamter Umzug der TU "charmanteste Variante"

Dort gibt man sich nun einmal abwartend: "Es wird weitere Gespräche geben und es hängt davon ab, wie stark die Stadt Wien ihr Angebot konkretisiert", erklärt Pressesprecher Werner Sommer. Anfang Februar gibt es einen Termin mit dem Unirat, wo dieser über die Angebote informiert werden soll. "Da wollen wir etwas Konkretes in der Hand haben," so Sommer. Im Moment scheint viel für Tulln zu sprechen: "Das Angebot der Stadt Wien hat noch nicht die Qualität wie jenes aus Tulln", erklärt Sommer. Entschieden sei aber noch nichts, betont er: "Es gibt drei Alternativen, bis hin zum gesamten Umzug der TU". Letzteres wäre aus seiner Sicht die "charmanteste Variante". (sof)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Laborraum im Chemie-Hochhaus, das von Dekan Fröhlich als "größter Problemfall" bezeichnet wird.

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