Antirassismus-Verein Zara von Schließung bedroht

11. Februar 2005, 10:41
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Nach fünf Jahren droht der Beratungsstelle für Opfer und Zeugen von Rassismus erneut das Aus - Obmann Schindlauer ist "dieses Spiel leid"

Seit fünf Jahren betreibt der Verein ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) die Beratungsstelle für Opfer und Zeugen von Rassismus - nun droht erneut das Aus: "Seit Jänner 2005 können dem dreiköpfigen Beratungsteam keine Gehälter ausgezahlt werden", sagt ZARA-Obmann Dieter Schindlauer. Es drohe die Schließung der in Österreich einzigartigen Serviceeinrichtung.

Inzwischen würden sogar schon die Vorstandsmitglieder privat für einen aufgenommenen Kredit haften. Die idealistischen MitarbeiterInnen von ZARA seien "dieses Spiel leid", so Schindlauer. "Wir können diese Einrichtung nicht ewig nach dem Prinzip der Selbstausbeutung tragen."

Man sei derzeit in "konstruktiven Gesprächen mit der Stadt Wien", erklärt der Teamleiter der Beratungsstelle, Hikmet Kayahan: "Es steht in Aussicht, dass ZARA - wie auch in den letzten 4 Jahren - wieder ausreichend Unterstützung erhält, um 6 Monate lang den Betrieb aufrecht halten zu können. Fixe Zusage haben wir allerdings noch keine."

Vom Bund kam eine solche bisher überhaupt noch nie, erzählt Schindlauer : "Von Seiten des Bundes erhält die ZARA-Beratungsstelle seit der Gründung im Jahr 1999 nur Absagen. So auch für das Jahr 2005: Hier ist man – im Unterschied zu anderen europäischen Ländern - offenbar nicht der Meinung, dass konkrete, dringend notwendige Anti-Rassismus-Arbeit staatlicherseits getragen sein sollte."

ZARA dokumentierte im Jahr 2004 über 800 Rassismus-Vorfälle. Neben der Beratung und Betreuung dieser Einzelpersonen legt ZARA auch jährlich den einzigen umfassenden Bericht über Rassismus in Österreich vor: Der Rassismus Report ist ein Einzelfallbericht, der sowohl national als auch international weite Beachtung findet. Die Redakteurin Verena Krausneker beschreibt: "Ohne die Beratungsstelle von ZARA gäbe es keine Daten. Ohne Daten gibt es keinen Rassismus Report. 27.000 Downloads dieses Berichtes allein im Jahr 2004 und die vergriffene Printausgabe zeigen allerdings, dass dieser Report ganz massiv gebraucht wird." (red)

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