AK befürchtet Verpackungschaos

4. Februar 2005, 13:34
100 Postings

Geplante EU-Richtlinie für Freigabe der Verpackungsgrößen wird abgelehnt - Preisver­gleiche für Konsumenten deutlich schwerer

Wien - Für große Verwirrung bei den Konsumenten könnte eine von der EU geplante Richtlinie sorgen, die statt der üblichen einheitlichen Verpackungsgrößen jede beliebige Menge erlaubt. "Die Verwirrung für den Konsumenten ist vorprogrammiert", befürchtet Karl Kollmann, Konsumentenschützer in der Arbeiterkammer (AK), am Montag in einer Aussendung. Preisvergleiche wären dann kaum noch möglich, auf Grund der unterschiedlichen Größen käme es zu Mehrkosten. Die AK lehnt die EU-Richtlinie daher als verbraucherfeindlich ab.

EU-weite Harmonisierung gefordert

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) dürfe der geplanten Fertigpackungsverordnungs-Richtlinie beim EU-Rat im Februar keinesfalls zustimmen, verlangt die AK. Statt dessen sollten Nennfüllmengen EU-weit harmonisiert und Mogelpackungen, die mehr Inhalt vortäuschen als wirklich drinnen sei, verboten werden.

Gemäß der geplanten EU-Richtlinie, die laut AK an die EU-Staaten zur Begutachtung verschickt wurde, sollen bis auf ganz wenige Ausnahmen wie etwa Wein alle Nennfüllmengen, also vorgeschriebenen Verpackungsgrößen, aufgehoben werden, teilte die AK in der Aussendung mit. Konkret könnte also Kaffee in einem Supermarkt im Packerl mit 400 Gramm, in einem anderen Geschäft mit 550 Gramm und im nächsten Geschäft mit 650 Gramm angeboten werden.

Preisvergleich nur mehr schwer möglich

"Es würden unterschiedlich viele Verpackungsgrößen entstehen, da die einzelnen Handelsketten von ihren Lieferanten ungleiche Verpackungsgrößen verlangen würden", befürchtet der AK-Konsumentenschützer. Das würde für Konsumenten einen Preisvergleich praktisch unmöglich machen. Zudem würden den Unternehmern oder Abfüllern durch unterschiedliche Packungsgrößen Mehrkosten entstehen, die letztlich wieder die Verbraucher zahlen müssten.

Es gebe zwar eine Grundpreisauszeichnung (Preis pro Kilogramm oder Liter), wonach der Preis pro Kilogramm, Liter, pro 100 Gramm oder pro Stück am Regal neben dem Verkaufspreis der Packung angeführt werden muss. Der Grundpreis sei aber nur in den größeren Einzelhandelsbetrieben vorgeschrieben, und die Konsumenten hätten sich auch noch nicht daran gewöhnt. "Verschiedene Produktgrößen würden es daher dem Konsumenten schwer machen, das billigste oder teuerste Produkt zu finden", kritisiert Kollmann.

Bartenstein-Sprecherin: Entscheidung frühestens Ende 2005

Bartenstein-Sprecherin Ingrid Nemec bestätigte, dass ein Erstvorschlag für eine EU-Richtlinie allen Mitgliedstaaten zugestellt worden sei, dass es bisher aber noch keine Stellungnahme dazu gebe. Die EU-Länder hätten bis Ende Jänner dazu Zeit.

Bei dem nun vorliegenden EU-Vorschlag handle es sich um einen ersten Entwurf. Von einer Entscheidung im Februar, wie von der Arbeiterkammer (AK) in den Raum gestellt, sei keine Rede. Mit einer Entscheidung in dieser Frage sei nicht vor Ende 2005 zu rechnen, hieß es. Laut Nemec sei noch nicht einmal eine Expertengruppe in Brüssel für diesen Themenkomplex eingerichtet worden.

Ende der Größenvorschriften

Die Kommission hat bereits im vergangenen Oktober die Freigabe von Verpackungsgrößen für eine ganze Reihe von Produkten vorgeschlagen. Demnach sollen die gemeinschaftlichen und nationalen Größenvorschriften in fast allen Sektoren abgeschafft werden. Waschmittel, Tierfutter, Tiefkühlkost und Erfrischungsgetränke könnten dann ebenso in neuen Mengen in die Regale der Supermärkte kommen wie Farben, Schampoos oder Zahnpasta.

Nach Ansicht der EU-Kommission könnte die Industrie dadurch besser auf Konsumentenbedürfnisse eingehen und neue Produkte leichter einführen. Der Verbraucher könne die Liter- oder Kilogrammpreise ohnehin bereits vergleichen, seit dies in der EU vorgeschrieben ist. Außerdem würden feste Größen keinen Beitrag zur Verwirklichung der EU-Umweltschutzziele leisten.

Ausnahmen

Für vier Produktbereiche schlägt die EU-Behörde aus Kostenerwägungen eine Beibehaltung der Packungsgrößen vor: Wein, Spirituosen, löslicher Kaffee und Weißzucker. Für diese Produkte soll eine Ausnahme von 20 Jahren gelten. (APA)

  • Artikelbild
    foto:tetrapak deutschland
Share if you care.