HTP verlor 90 Prozent des Eigenkapitals

3. Februar 2005, 14:46
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Innerhalb eines Jahres von 38,7 Millionen Euro auf vier Millionen Euro - Aktionäre genehmigen Kapitalerhöhung, Kapitalrahmen aber abgelehnt

Wien - Die Aktionäre des burgenländischen Kunststoff-Spezialisten HTP haben am Montag im zweiten Anlauf eine Kapitalerhöhung genehmigt. Die gleichzeitig vom Vorstand geforderte Genehmigung zur Schaffung eines Kapitalrahmens für spätere Kapitalschritte wurde von der außerordentlichen Hauptversammlung jedoch nicht erteilt, wie die in Frankfurt börsenotierte HTP am Montag zu Mittag ad-hoc bekannt gab. Die dazu nötige Dreiviertelmehrheit wurde verfehlt.

Bis zu drei Millionen junge Aktien

Die Gesellschaft wurde ermächtigt, bis Ende Juni bis zu 3 Millionen junge Aktien unter Wahrung der Bezugsrechte auszugeben. Im Dezember 2004 hatten Minderheitsaktionäre um den Industriellen Hannes Androsch und noch AT&S-Chef Willi Dörflinger, die jeweils mit 13,6 Prozent an der HTP beteiligt sind, eine Kapitalerhöhung um bis zu eine Million Aktien unter Ausschluss des Bezugsrechts blockiert.

2004 wurden 90 Prozent des Eigenkapitals aufgezehrt

Mit der Beschlussfassung zur Kapitalerhöhung und der darauf aufbauenden Einigung mit den Banken seien nun die Voraussetzungen für die Sanierung gegeben, so HTP weiter. Der angeschlagene Kunststoffproduzent hatte zuvor bekannt gegeben, im Laufe des vergangenen Jahres etwa 90 Prozent seines Eigenkapitals verloren zu haben: "Auf Grund der negativen Ertragslage der Gruppe im Jahr 2004, aber insbesondere auf Grund der durch die Restrukturierung bedingten Wertberichtigungen und Rückstellungserfordernisse, geht der Vorstand zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass sich das im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2004 auszuweisende Eigenkapital von 38,7 Mio. Euro (per 31. Dezember 2003) auf rund 4,0 Mio. Euro reduzieren wird."

5 Mill. Euro "frisches" Eigenkapital

Nach eingehenden Analysen gehe der neue Vorstand davon aus, dass unter bestimmten Voraussetzungen im heurigen Jahr positiv bilanziert werden könne, heißt es in der "Ersteinschätzung der Restrukturierungsmaßnahmen". Nach der im Dezember erzielten Übereinkunft mit den Banken, dem für heuer erwarteten positiven operativen Gruppen-EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und der geplanten Zufuhr von 5 Mio. Euro an Eigenkapital könne die HTP 2005 "zu einer positiven Ertragslage geführt werden, so der neue HTP-Vorstandschef Kurt Helletzgruber.

Restrukturierungen

Als Hauptgründe für den Rückgang des Eigenkapitals von knapp 39 auf 4 Mio. Euro führt die Gesellschaft die "Korrektur der aktiven latenten Steuern" (5 Mio. Euro), die "Korrektur der Firmenwerte" (5 Mio. Euro), "Restrukturierungen und Anpassungen im Anlage- und Umlaufvermögen" (11 Mio. Euro) und weitgehende Restrukturierungsvorsorgen für den Standort Fohnsdorf (4 Mio. Euro) an.

An der Frankfurter Börse sanken HTP-Aktien bis Montag zu Mittag um 2,1 Prozent auf 4,60 Euro. (APA)

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