Kirchenaustritte um zu sparen?

2. März 2006, 16:52
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Immer mehr Menschen leben in Armut - Die Kirche tut zu wenig dagegen und wird eingespart - Ein Kommentar von Caspar Einem

Die Nachrichten am Wochenende waren – abgesehen von den alpinen und nordischen Schi-Ereignissen – von zwei Themen bestimmt: Noch nie seien in Österreich derart viele Menschen innerhalb eines Jahres aus der Kirche ausgetreten wie 2004. Und: Die beiden Spitzenrepräsentanten der größten Pensionistenorganisationen haben gemeinsam verlangt, dass zumindest die untersten Einkommen der Pensionisten angehoben werden müssten. Denn es kämen immer mehr Pensionisten unterhalb der Armutsgrenze zu liegen.

Das ist tatsächlich eine unwürdige Entwicklung in einem der reichsten Länder der Welt. Aber es ist noch schlimmer: Es geraten nicht nur immer mehr Pensionisten in Armut sondern auch immer mehr Menschen, die keine Arbeit finden können oder zumindest keine, von der man auch wirklich leben kann.

Kostenersparnis

Erstaunlicherweise blieben diese Tatsachen bisher bei der Suche nach Gründen für die zahlreichen Kirchenaustritte unerwähnt. Natürlich führen sinkende Realeinkommen auch zu Überlegungen, welche Kosten man vergleichsweise leicht sparen kann.

Und während etwa die ORF-Gebühr das Recht bietet, weiterhin fernsehen zu dürfen, bietet der Kirchenbeitrag anscheinend unmittelbar keine Gegenleistung. Hier geht es nicht um Kirchenhetze. Im Gegenteil. Hier geht es darum, zu sehen, dass die Kirchen auch im Diesseits Aufgaben haben und das vermutlich deren Wahrnehmung im Sinne eines Marketing für die Gewinnung von Menschen für die eigentliche Zielsetzung nützlich wäre. Es ist keineswegs bloß Aufgabe der Opposition, darauf hinzuweisen, dass die Armut in Österreich teilweise dramatisch zunimmt. Es ist natürlich auch eine Aufgabe der Kirchen, ihren Mitgliedern beizustehen.

Vielleicht bietet sich da eine Chance, gemeinsam für ein Österreich zu arbeiten, das allen seinen Menschen Chancen und zumindest so viel Einkommen bietet, dass sie davon leben können. Eine Chance für eine Umkehr in der Mitgliederentwicklung und für eine Umkehr in der konkreten Politik.

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