Küng: "Nicht sicher, ob Tiefpunkt schon erreicht"

11. Februar 2005, 15:48
7 Postings

Anhalten der Austrittswelle für St. Pöltner Bischof möglich

Wien - Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng glaubt noch nicht an ein Ende der Austrittswelle in der katholischen Kirche. "Ich bin auch nicht sicher, ob wir schon am Tiefpunkt sind, obwohl ich Optimist bin", meinte Küng am Sonntag in der ORF-Sendung "offen gesagt". "Wenn man genauer hinschaut, ist die Bindung zur Kirche bei so und so vielen dünn geworden. Es genügt ein Anlass, dass das zu Austritten führt."

Die Kritik des Ombudsmannes für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Erzdiözese Wien, Helmut Schüller, an mangelnden Fortschritten in der Ökumene und am Umgang der Kirche mit dem Priestermangel wies Küng jedoch zurück: Einfache Lösungen nach dem Motto "wir nehmen den Zölibat weg" könne es nicht geben. Und, an Schüller persönlich: "Sie haben die Neigung, immer auf die Kirche eine drauf zu hauen." Das löse aber "überhaupt nichts", man müsse die Dinge "gründlicher diskutieren".

Das wollte Schüller nicht auf sich sitzen lassen. Er konterte, was er gesagt habe, seien Dinge "die Sie, wenn Sie die Dekanatskonferenzen des Landes bereisen würden, jederzeit hören könnten". Unter anderem hatte Schüller davor gewarnt, dass in einiger Zeit auch "Kernschicht-Gebundene" der Kirche den Rücken kehren könnten. Als Grund dafür sieht Schüller unter anderem die "Ausdünnung" der Pfarren durch den Priestermangel.

Der Theologe Paul Zulehner verwies darauf, dass die Austrittswelle bis zum Abgang von Kardinal König Mitte der 80er Jahre hintangehalten worden sei. Die danach folgenden Bischofsernennungen hätten jedoch einen Kurswechsel in der Kirche eingeläutet: "Man hat die falschen Leute erwischt, denn man hätte auch klügere Konservative finden können. Und dafür haben wir einen unglaublich hohen Preis gezahlt, in der Kirche." (APA)

Share if you care.