Kommentar: Ziemlich abgefahren

6. Februar 2005, 14:37
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Der Skifahrer Rainer Schönfelder hat wieder einmal seinen Mund aufgerissen...

Diesmal nicht, um zu singen, sondern um zu kritisieren - die Verösterreicherung seiner Sportart und das schlechte Marketing des internationalen Verbands. "Wenn wir so weitermachen", sagt Schönfelder, "dann gibt's den Skisport bald nicht mehr."

Das ist schon zu begrüßen, dass sich endlich ein Rennläufer öffentlich Sorgen macht um die Zukunft seiner Zunft. Natürlich hat Schönfelder Recht, natürlich ist seit Jahren allein in seinem Metier, dem Slalom, eine gewisse Internationalität gegeben. Ansonsten sind nicht mehr Nationen unterwegs als beispielsweise im Skispringen. Das Skifahren wird im Ausland kaum noch wahrgenommen, die meisten Rennen außerhalb Österreichs sind schlecht bis gar nicht besucht, die Anzahl der live sendenden Fernsehstationen hat rapide abgenommen. Nach zwei Siegen kommt immerhin Hoffnung auf, dass der deutsche Markt wieder munter wird, wo doch gleichzeitig die von RTL groß herausgebrachten deutschen Skispringer in der Krise sind.

Doch so schnell wird die Trendumkehr nicht gelingen. RTL ist den Skispringern noch bis 2007 vertraglich verpflichtet. Im Europacup, aus dem der Weltcup schöpft, feierten Österreichs Damen in diesem Winter schon einen Neunfach- und einen Siebenfacherfolg. Abfahrtstrainings, in denen die Besten wedeln, um nur ja keine Bestzeit zu erzielen, weil als Lohn für gute Zeiten ungute Startnummern winken, sind schlichtweg absurd.

Auch Kitzbühel hatte mit der abgesagten Abfahrt nicht nur Pech. Dass man den Slalom nicht vorverlegen konnte, mag damit zu begründen sein, dass einige der Torläufer erst am Tag vor ihrem Rennen anreisen. Dass aber nicht gestern abgefahren wurde und heute der Slalom steigt, bleibt dennoch ein Rätsel. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 24.1. 2005)

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