ÖVP: Vergangenheitsforschung steht noch aus

19. Dezember 2005, 15:02
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Helmut Wohnout, Leiter des Vogelsang-Institutes: "Ordnungsgemäße Restitutionen" der Volkspartei

Wien - Geschehen ist bis dato nichts. Obwohl im Resümee des vom Karl von Vogelsang-Institut 2002 publizierten Forschungsprojektes zum Thema "Wiedergutmachung und Restitution im Bereich der Österreichischen Volkspartei" weitere Forschungen "für die nächsten Jahre" angeregt werden, lässt deren Realisierung bislang auf sich warten.

Es gelte, Motive und Umgang von ÖVP-Politikern mit der Rückstellung vormals jüdischen Vermögens zu beleuchten, heißt es im Buch. Nun soll ein anderes Projekt auf der Suche nach braunen Flecken in der Volkspartei gestartet werden: Helmut Wohnout, Leiter des VP-nahen Vogelsang-Institutes, sagt im STANDARD-Gespräch, man beginne gerade mit einer "gruppenbiografischen Analyse der ÖVP-Führungsgremien". Als zentral gilt ihm hierbei das Leben des früheren Finanzministers Reinhard Kamitz.

Bei den von der Partei genutzten, vormals arisierten Liegenschaften befindet die von Wohnout herausgegebene Studie, dass die Restitution "ordnungsgemäß" erfolgt ist: "In keinem einzigen Fall ist ein mittelbarer oder unmittelbarer Zusammenhang zwischen Restitution und Eigentumserwerb zu erkennen, der auf eine politische Einflussnahme schließen ließe."

Beispiel Politische Akademie in der Wiener Tivoligasse 73: Ab 1940 von der NSDAP-Gauschule Schönbrunn genützt, wurde die Liegenschaft 1954 an Besitzerin Mary Wooster zurückgegeben. Der Verein für Politische Bildung der ÖVP erwarb das Schloss später um 2.850.000 Schilling. (kmo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.1.2005)

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