Raab, Kamitz, Reinthaller, Peter

19. Dezember 2005, 15:02
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Braune Flecken der ÖVP, braune Grundierung der FPÖ - Ehemalige FP-Obmänner früher im "Rasse- und Sidelungshauptamt" oder den hinter der Front mordenden "Einsatzgruppen"

Wien - Die ehemaligen NSDAP-Mitglieder und ihre Familienangehörigen machten rund 20 Prozent der Bevölkerung aus. Ab 1949 durften sie wieder wählen. Im Mai 1949 trafen sich Julius Raab und andere ÖVP-Spitzen mit einer Reihe prominenter "Ehemaliger" , darunter etliche "Unbelehrbare", zu "Fusionsgesprächen", die aber scheiterten.

Kamnitz hätte "Nachrichtendienste" für illegale NSDAP geleistet

Einer der wichtigsten Männer der ÖVP , Reinhard Kamitz, der als Finanzminister ab 1953 großen Anteil am "österreichischen Wirtschaftswunder" hatte, war Nationalsozialist. Kamitz wurde zwar erst im Juni 1940 Partei-Mitglied (und "SS-Anwärter"), aber er wurde der "Mitarbeit beim NSDAP-Nachrichtendienst der Landesleitung während der Verbotszeit" beschuldigt. Demnach hätte Kamitz in der Zeit, als die NSDAP wegen ihrer umstürzlerischen, terroristischen Tätigkeit unter Dollfuß und Schuschnigg verboten war, "Nachrichtendienste" für die illegale NSDAP geleistet. Dies geht aus einem Aktenvermerk hervor, den "M.Wallace" aus dem "Büro des Direktors für das Nachrichtenwesen der US-Armee im Hauptquartier der US-Streitkräfte in Österreich", im Dezember 1947 an das Bundeskanzleramt richtete. Raab setzte sich als Kanzler trotzdem beim Bundespräsidenten Körner für eine Entlastung von Kamitz ein.

Kein Bedarf

Die FPÖ selbst sieht keinen Bedarf, nach "braunen Flecken" in ihrer Frühzeit zu forschen. Die Vorläuferpartei VdU war zunächst zwar eine Gründung des Rechtsliberalen Herbert Kraus. Er wurde jedoch bald von den "Ehemaligen" verdrängt . 1956 wurde Anton Reinthaller, Chef der VdU-Nachfolgepartei FPÖ. Reinthaller war 1928 (!) der NSDAP beigetreten , 1934 "Führer der NSDAP in Österreich". Im März 1938 war er Minister im kurzlebigen Kabinett Seyß-Inquart, das mit dem deutschen Einmarsch im Rücken Kanzler Schuschnigg ablöste. 1941 brachte es Reinthaller zum SS-Brigadeführer im "Rasse- und Siedlungshauptamt" (!). 1957 einigte sich Reinthaller mit Raab auf einen gemeinsamen Bundespräsidentschafts-Kandidaten. 1958 wurde er von Friedrich Peter als FPÖ-Obmann abgelöst.

Freiwillig zur Waffen-SS

Peter trat im Alter von knapp 20 Jahren freiwillig der Waffen-SS bei. Im Russlandkrieg 1941 diente er beim 10. Regiment der 1. SS Infanteriebrigade. Diese Einheit war im Sommer 1941 Teil der "Einsatzgruppen", die hinter der Front hunderttausende Juden systematisch erschossen. Peter hat jede Beteiligung und jedes Wissen geleugnet, obwohl seine Einheit damals nur solche Aktionen durchführte. Hätte er eine Beteiligung zugegeben, hätte er wegen unverjährbarer "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt werden müssen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.1.2005)

Von Hans Rauscher
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