Eine Blume in der Wüste

17. Oktober 2006, 17:18
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Elke Maria Ebner eröffnete ein bezauberndes Gasthaus dort, wo sonst niemand so etwas eröffnet. Gasthaus Goldmarie in Meidling

Als sie vor einiger Zeit nach Meidling zog, erzählt Elke Maria Ebner, dachte sie erstens nicht daran, dass sie hier viele Bekannte treffen würde, und zweitens nicht, dass sie hier ein Gasthaus aufmachen würde. Eine Freundin schleppte sie dann aber zu einem Gasthaus, das gerade zu vermieten war und in das sich Elke Maria Ebner eigentlich sofort verliebte.

Die eher triste Farbgebung änderte sie, ließ sich von einem Bühnenbildner den Eingang gestalten, suchte bei Altwarenhändlern nach entsprechendem Mobiliar und stöberte ein bisschen am Dachboden des Gasthauses. Dort fand sie dann alte Fenster, auf denen die Jahreszahl 1909 vermerkt stand, was ihre Neugier weckte, sie ein bisschen zu forschen begann und herausfand, dass sich an dieser Stelle einmal eine Station zum Pferdewechseln inklusive Gasthaus befunden hatte. Wo früher die Pferde standen, ist heute der Gastgarten, der einen gewissen verzauberten Charme besitzt, wie das ganze übrige Lokal eigentlich auch.

In der Umgebung sei man sehr froh, dass das Gasthaus jetzt wieder geöffnet sei, erzählt Ebner stolz, und dass der Name "Goldmarie" einem Nachbarn von ihr eingefallen sei, auch. Für den herzlichen Empfang bedankt sie sich bei den Meidlingern unter anderem damit, Schnäpse aus dem benachbarten "Schnapsmuseum" auszuschenken sowie das wunderbare Bier von der Burg Clam, das es in Wien sonst nämlich kaum wo zu trinken gibt.

Besser als erwartet

Aus der Küche kommen Dinge, die man sich in einem schönen Vorstadtgasthaus erwartet, allerdings besser, als man es sich hier normalerweise erwarten kann: Die hausgebeizte Lachsforelle mit (etwas zu dick geschnittenem) weißem Rettich, zum Beispiel, äußerst würzig und klassisch (€ 6,50), eine brave Kürbiscremesuppe mit mehr Aroma und Farbe als üblich (€ 2,90), gefüllte Paradeiser mit Eierschwammerl-risotto auf cremigem Lauch leider so langweilig, wie sich's anhört (€ 8,90). Das Wallerpaprikás mit gebratenem Serviettenknödel dann wieder ein Inbegriff von Gasthausklassik (€ 10,80), auch der Blunzenstrudel mit herrlichem Krautsalat und - etwas überraschend - das Apfelkompott war so weit recht ordentlich (€ 6,80), die gekochte Rinderbrust mit gelben Rahmfisolen und Rösti saftig und zart (€ 8,50), der Ochsenschlepp in Rotwein-Hollersaftel eine optische Sensation (€ 9,10).

Die Weinkarte ist klein und verfügt über genau das, was man an so einem Ort braucht, sogar ein Wein aus Wien ist dabei, das stimmt hier irgendwie. Man kann jetzt jedenfalls nach Meidling essen gehen. (DERSTANDARD/rondo/Florian Holzer/01/10/04)

Gasthaus Goldmarie
Hoffmeisterg. 7
1120 Wien
Tel. 817 01 58
Mo-Fr 11-15
Mo-Sa 18-24 Uhr
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