Schönfelder sorgt sich um seinen Sport

6. Februar 2005, 14:37
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"Wir sollten uns nicht nur auf die Schultern klopfen", meint der Kärntner und spricht über Probleme des Skisports und seine Visionen

Zu blöd, dass just jenes Skirennen, welches jährlich die größte Internationalität aller alpinen Weltcupveranstaltungen zu erreichen pflegt, die Abfahrt vom Kitzbüheler Hahnenkamm, dem Sturmtief Ingo zum Opfer gefallen ist.

Der veranstaltende Kitzbüheler Skiclub hat sich gegen den Ausfall, gegen den materiellen Schaden versichert. Mehr oder weniger berühmte internationale Gäste sind dennoch gekommen, die 9. Kitz Charity Trophy im Zielhang der Streif fand auch statt, produzierte einen Reinerlös von 100.000 Euro für in Not geratene Tiroler Bergbauern. Tausende mehrheitlich nationale Gäste ließen sich von der Absage nicht verschrecken und zogen kreuz und quer durch die Innenstadt, deren Straßen wie stets reichlich mit Labestationen ausgestattet wurden. Und wenn es schon in Amerika kaum einen gibt, der mit Bode-Miller-Fahnen herumläuft, so gibt es doch Tiroler Buben, die mit der US-Flagge herumwacheln.

Da steckt weise Voraussicht dahinter, schließlich sollten gerade die Österreicher, in deren Land der Skisport die unangefochtene Nummer eins ist, drauf schauen, dass die Welt drauf schaut, nicht zuletzt ökonomische Gründe wie Tourismuswirtschaft oder Wintersportindustrie sprechen dafür.

"Wenn wir so weitermachen", sagt Rainer Schönfelder, "dann gibt's den Skisport bald nicht mehr. Deshalb sollten wir uns darüber Gedanken machen." Vergangene Woche verlautete Schönfelder, der Slalomspezialist, in einem Interview mit der Sportwoche: "Schafft den Super-G ab." Das kam nicht gut. Dahinter wurde der Neid des Slalomspezialisten vermutet, der weit weniger Auftritte hat als die schnellen Herren. Schönfelder präzisiert: "Im Skisport hat sich einiges verschoben. Früher gab es mit Ausnahmen der wenigen Allrounder jene, die sich auf Abfahrt und Super-G, und jene, die sich auf Slalom und Riesenslalom spezialisierten." Jetzt steht der Slalom quasi im Eck, hat zum großen Teil seine eigenen, nur ihm gehörenden Spezialisten.

Gefragt ist Marketing

"Ich will nicht Abfahrt und Slalom gegeneinander aufrechnen", sagt Schönfelder, "beides sind spektakuläre Disziplinen. Aber man muss doch sehen, wo mehr Internationalität ist, eindeutig im Slalom. Deshalb sollte er keine Nebendisziplin werden. Wäre es umgekehrt, würde ich auch umgekehrt argumentieren. Mir liegt der Sport als Gesamtes am Herzen. Ich habe eine Vision. Dass der Skisport größer und wichtiger wird. Und dass meine Kinder einst Rennen fahren, die weltweit übertragen werden." Dazu gehörten ein ordentliches Marketing des Weltverbandes FIS und keine Modusänderungen.

Die größere Internationalität des Slaloms, in dem Herren aus gut zehn Nationen siegfähig sind, ist leicht erklärt. Einen Hügel hat bald einer zur Hand, ein Abfahrtstraining zu veranstalten ist viel teurer, und es gibt weniger Gelegenheiten. Was dazu führt, dass die Guten immer besser werden und die anderen immer chancenloser. Schönfelder: "Deshalb sind wir zu stark in den schnellen Disziplinen. Wir klopfen uns auf die Schultern, aber das hilft dem Sport nicht. Gott sei Dank gibt's einen wie Miller."

In der FIS gibt es Überlegungen, die Pause zwischen den Durchgängen abzuschaffen. Schönfelder regt an, große Events aus den Rennen zu machen, beispielsweise in der Pause Konzerte zu veranstalten. Schönfelder, der Barde, beruhigt, er denkt dabei keineswegs an sich, "sondern etwa an einen US-Star, dem so ein Auftritt doch gut in die Europatournee passen könnte." (Benno Zelsacher aus Kitzbühel - DER STANDARD PRINTAUSGABE 24.1. 2005)

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    Kritischer Geist Schönfelder.

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