Pranger schüttelte in Kitz Fluch ab

6. Februar 2005, 14:37
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Endlich "Flaggenparade" für den Tiroler - Wengen als Schlüsselerlebnis - Gefeiert wird mit Mineral

Kitzbühel - 1:31,51 Minuten hat Manfred Pranger am Sonntag benötigt, um sein Image des "tragischen Helden" endgültig ad acta zu legen und zum Kitzbühel-Slalom-Triumphator 2005 zu avancieren. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Das sind unbeschreibliche Gefühle", freute sich der Tiroler, der in der Saison 2003/2004 vier Halbzeitführungen vergeigt hatte und am Sonntag endlich seinen ersten Weltcup-Erfolg einfuhr.

Die Zeit zum Denken und Grübeln

Pranger gestand, dass er auch diesmal zwischen den beiden Durchgängen ins Grübeln geraten war: "In der Pause kamen schon wieder Zweifel hoch. Aber ich habe mich dann aufs Skifahren konzentriert und es hat geklappt", so der Gschnitzer, der nach dem ersten Lauf eine halbe Sekunde Vorsprung gehabt hatte und schließlich 0,12 Sekunden auf Mario Matt ins Ziel rettete.

Mit dem Sieg in Kitz, wo Pranger bis Sonntag einen fünften Rang aus dem Jahr 2002 als bestes Ergebnis zu Buche stehen hatte, ging für den tiefgläubigen Gschnitztaler ein lang gehegter Traum in Erfüllung. "Vor sechs Jahren war ich beim Bundesheer, und jeden Montag gab es die Flaggenparade. Jedes Mal dachte ich mir, wie schön es wäre, denn die Flagge einmal bei einem Skirennen für mich gehisst werden würde. Heute war es so weit."

Ohne Alkohol

Eine Siegesparty im Kitzbüheler "Londoner" à la Bode Miller oder Kalle Palander hat es am Sonntagabend nicht gegeben. "Kein Tropfen Alkohol während der Saison" - so lautet eines der Erfolgsgeheimnisse Prangers. Eine Grundsatzeinstellung, an der auch der umjubelte Kitz-Triumph nichts ändert. Pranger, der am Sonntag mit einem Schlag 65.000 Euro Preisgeld eingestreift hat: "Ich kann auch ohne Alkohol gut feiern, das ziehe ich durch."

Genau so wie seine mittlerweile legendäre "Show" im Starthaus, die er seit seinem Gesamtsieg im Slalom-Europacup 2001 betreibt. "Ich weiß, dass es komisch ausschaut. Aber was die Leute über die Art, wie ich mein Skifahren betreibe, denken, hat mich noch nie interessiert. Ich brauche das."

Am Sonntagabend war Pranger in der ORF-Sendung "Sport am Sonntag" zu Gast, am Montag wird trainiert. Auch seinen 27. Geburtstag am Dienstag, dem Tag des Nachtslaloms in Schladming, wird Pranger ohne Champagner verbringen. In der Heimat gefeiert wird mit seiner Familie und Langzeitfreundin Karin erst am Mittwoch - mit Mineralwasser.

Wengen ein Schlüsselerlebnis

Als Schlüsselerlebnis für den Premierensieg bezeichnet Pranger den Wengen-Slalom vor genau einer Woche. "Der erste Lauf war ein ziemliches Desaster. Ich bin im Ziel gestanden und habe gedacht: 'Jetzt ist es vorbei'", berichtete Pranger, der darauf eine Standpauke von seinen Trainern Toni Giger und Rainer Gstrein erhalten hatte. Der einfache Tipp des Duos lautete: "Bleib endlich locker." Der Erfolg sollte sich rasch einstellen, Pranger knallte im Finale Laufbestzeit hin und wurde noch Vierter.

Die Erleichterung und Riesenfreude war dann in Kitzbühel nicht nur Pranger, der seit Saisonbeginn mit Kreuzproblemen zu kämpfen hat, deutlich anzusehen. Die gesamte ÖSV-Crew mit Trainern und Läuferkollegen freute sich ehrlich mit. "Ich freue mich unheimlich für ihn und hoffe, dass ihm nun der Knopf aufgegangen ist", meinte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Auch Technikcoach Gert Ehn jubelte im Zielraum: "Ich vergönne ihm den Sieg von ganzem Herzen. Er hat vier Halbzeitführungen nicht ins Ziel gebracht, heute hat er es Gott sei Dank geschafft."

Früh- und Spätstarter

Begonnen hat die Skikarierre Prangers im Alter von zwei Jahren am Skilift der Nachbarn im Gschnitztal, wo seine Eltern im Sommer die Tribulaunhütte auf 2.086 Metern Seehöhe betreiben. Erst im Alter von 21 Jahren hat Pranger den Sprung ins ÖSV-Team geschafft. Zu einer Zeit, in der Alterskollegen wie Mario Matt - vom Flirscher hat sich Pranger die breite Skistellung abgeschaut - oder Benni Raich bereits gefeierte Helden waren, gelangen dem bekennenden Wacker-Tirol-Fan erst seine ersten großen Erfolge im Europacup. (APA)

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    Manfred Pranger in einem besinnlichen Moment.

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