Wie geht es weiter im Kampf gegen das Böse?

13. März 2005, 16:15
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Der Kanadier Bart G. Farkas ist ein internationaler Bestsellerautor - er schreibt Lösungen und Strategiehilfen für Computer- und Videospiele

Wenige kennen seinen Namen, und doch ist Bart G. Farkas ein internationaler Bestsellerautor, der bislang mehr Bücher verkauft hat als mancher arrivierte Schriftsteller. Der 37 Jahre alte Kanadier hat in den vergangenen elf Jahren 75 Bücher verfasst, eines davon wurde rund zwei Mio. Mal verkauft. Seine Werke werden in viele Sprachen übersetzt: zum Beispiel ins Hebräische, Thailändische, Ungarische, Deutsche, Spanische, Koreanische oder Arabische.

Strategiehilfen für Computer- und Videospiele

Die Bücher von Farkas sind allerdings weniger in herkömmlichen Buchhandlungen zu finden - dafür umso mehr in den Regalen der Softwareläden dieser Welt. Der Grund: Farkas verfasst Strategiehilfen für Computer- und Videospiele wie "Starcraft", "Diablo II" oder "Wing Commander IV".

Nachfrage nach Anleitungsbüchern steigt

Die Nachfrage nach seinen Werken ist groß. "Es ist ein Riesengeschäft", sagt der Familienvater aus der Kleinstadt Cochrane in der Provinz Alberta. Der Markt mit Computerspielen boomt. Spiele wie etwa "Doom 3" werden in den ersten Wochen nach ihrem Erscheinen oft Millionen Mal verkauft und machen so viel Gewinn wie ein gut besuchter Hollywoodfilm. Parallel dazu wächst die Nachfrage nach Anleitungsbüchern.

Anti-Frust-Mittel

"Die Spiele werden mit der fortschreitenden Technologie immer komplizierter", weiß Farkas. "Die Käufer wollen deshalb Hilfe, um die Games auch bis zum Ende spielen zu können." Sogar gute Spieler, sagt Farkas, können den Punkt erreichen, wo sie nicht mehr weiterkommen: "Das ist unglaublich frustrierend." Außerdem hätten die Leute heute in der Regel nicht viel Zeit. Der Griff zum Spielführer sei da nur allzu verlockend.

Die Realität

Manchen Computerspielfans dürfte es als traumhaft vorkommen, so wie Farkas als Erster ein noch nicht erschienenes Spiel knacken zu dürfen. Die Realität sieht jedoch weniger lustig aus: Der Autor erhält von den Herstellern der Computerspiele meist weniger als eine Woche Zeit, um die Anleitung zu verfassen. Oft arbeitet er bis zu 18 Stunden täglich, damit das Buch gleichzeitig mit dem Spiel in die Läden kommt. "Deshalb machen diesen Job nur wenige", sagt der begnadete Problemlöser, "er ist einfach zu anstrengend."

Selbstdisziplin und starke Nerven

Neben analytischem Denken brauche es dazu Selbstdisziplin und starke Nerven. Manche der Hersteller von Computerspielen, mit denen der Autor zusammenarbeitet, seien sehr kooperativ, sagt Farkas, aber "in einem von zehn Aufträgen muss ich die Lösung ganz allein finden".

Acht Bücher pro Jahr

Hat Farkas den Schreibmarathon hinter sich, macht er einige Wochen frei. Auf diese Weise schafft er etwa acht Bücher pro Jahr.

Kein Computerjunkie

Trotz seines Berufs ist der Vater dreier Kleinkinder, der früher Krankenpfleger war, kein Computerjunkie. Und obwohl seine Bücher zu Millionen verkauft werden, ist er auch kein Millionär: "Wir werden nicht so gut bezahlt, wie wir es verdienten", bedauert der Autor. (Der Standard Printausgabe, 22./23. Jänner 2005, Bernadette Calonego aus Vancouver)

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