Leichte Entspannung in der Zitterpartie

3. Februar 2005, 15:25
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Noch ist die Aufbesserung des Siemens-Angebots nicht offiziell, sie harrt ihrer Freigabe durch die Übernahmekommission. Die Banken rühren bereits die Werbetrommel

Wien - "Vom Preis her ist die Sache wohl gelaufen. Als Jurist muss man aber einmal mehr beide Augen zudrücken." Rechtsanwalt Georg Vetter (der sich im Streit bei der Zwangsabfindung für die Kies-Union-Aktionäre Meriten verdient hat), hegt Zweifel an der Rechtskonformität des neuen Siemens-Angebots. Eigentlich sei das zweite Angebot eine Schlechterstellung gegenüber dem ersten. "Ob das so zulässig ist, ist die Frage", sagt Vetter im STANDARD-Gespräch.

Schlechterstellungen gibt es im Übernahmegesetz aber nicht, es sieht nur "Verbesserungen und sonstige Änderungen zugunsten der Beteiligungsinhaber" vor. Die Schlüsselfrage im Übernahmepoker lautet also: "Sind 90 Prozent eine Verbesserung?"

Könnte durchaus sein, meint ein anderer Jurist, der nicht genannt werden will. Denn Siemens biete mit 65 Euro deutlich mehr Geld, knüpfe dieses Zuckerl aber an die Bedingung, dass sie 90 Prozent des Grundkapitals der VA Tech erreicht. Lehnen die Aktionäre dies ab, tritt Bedingung Nummer 1 wieder in Kraft: die Abschaffung des Höchststimmrechts, mit der Siemens am Montag abgeblitzt ist. Welche der beiden das größere Übel ist, entscheidet die Übernahmekommission.

Scheitern unwahrscheinlich

Defacto ist ein Scheitern freilich sehr unwahrscheinlich, zumal sich die österreichischen Banken (darunter zufällig die größten Gläubigerbanken der VA Tech, Anm.) am Freitag förmlich überschlagen haben mit ihren Empfehlungen für das aufgebesserte Angebot.

Die Klarstellung von Siemens-Chef Heinrich von Pierer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, man zahle keinen "Fantasiepreis" für die VA Tech, ist daher durchaus originell. Genau das tut der Elektrokonzern nämlich mit der Aufbesserung von 55 auf 65 Euro je Aktie. Ob der Deal bis zur Siemens-Hauptversammlung am Donnerstag über die Bühne ist, wie von Pierer hofft, darf jedoch bezweifelt werden. Denn dem neuen Angebot folgt ziemlich sicher eine Verlängerung der Angebotsfrist - so die Übernahmekommission unter Peter Doralt das neue Angebot überhaupt für rechtens befindet. Vier bis sieben Börsentage vergehen allein bis zur Veröffentlichung, danach müssen die Aktionäre ausreichend Zeit bekommen, es zu prüfen.

Verstaatlichtenholding ist happy

Wie auch immer die Formalitäten aussehen: Bei der Staatsholding ÖIAG ist man happy, lukriert man mit dem Verkauf an Siemens doch 146,25 Mio. Euro. Diese müssen zwar dem Buchertrag in Höhe von 73 Mio. Euro (in der Bilanz 2004 kann die VA-Tech-Aktie wegen des Kursanstiegs von 26 auf 58,9 Euro aufgewertet werden) gegengerechnet werden; weitere elf Mio. Euro kommen aus der Differenz zwischen Jahresschlusskurs 2004 und Angebotspreis. Unterm Strich stehen also 62 Mio. Euro Erlös. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.1.2005)

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