22./23.01: Zinggl räumt auf. Die Museumsneuordnung der Grünen

25. Februar 2005, 22:04
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Wien - Angesichts der permanenten Kritik, dass die Bundesmuseen kaum Profile hätten (oder sich nicht an diese halten würden), ließ Bildungsministerin Elisabeth Gehrer die Häuser evaluieren. Und zwar durch Fachleute, die von den Institutionen nominiert worden waren. Da sich aber kein Kalb den Schlächter selbst aussucht, ließen sich die Museen von Experten beurteilen, die ihnen wohl gesonnen erschienen. Dementsprechend positiv fielen die Zeugnisse aus. Mit der Zusammenfassung, für den Herbst 2004 avisiert, lässt sich das Ministerium aber gehörig Zeit: Kürzlich gab Gehrer als neuen Termin den Februar bekannt.

Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, beeilte sich daher, der Ministerin zuvorzukommen: Er kritisiert "aufkeimenden Feudalismus" der Direktoren, "Doppelgleisigkeiten" im Sammlungsbereich, gegenseitige Konkurrenzierung - und präsentierte am Freitag "Vorschläge zur Neuordnung der Bundeskunst- und -kulturmuseen". Sein Konzept mit dem Titel "Zusammenführen, was zusammengehört" ist radikal: Zinggl plädiert für "Ordnung".

Denn er löst drei Sammlungen (Albertina, Österreichische Galerie, Gemäldesammlung der Akademie) auf - und schlägt deren Bestände den anderen Kunstmuseen zu: Das Kunsthistorische Museum soll alle Werke von der Renaissance bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erhalten, das Leopold Museum die heimische Kunst der Jahrhundertwende, das Mumok jene des 20. Jahrhunderts bis heute.

Hinzu kämen drei weitere Museen: Zinggl träumt von einem Kulturenmuseum, das aus dem Volks- und Völkerkundemuseum, der Ägyptisch-Orientalischen und der Antikensammlung des KHMs, der Frühgeschichtesammlung des Naturhistorischen Museums etc. bestehen soll. Die Schloss Schönbrunn Betriebsgesellschaft soll auch für das "k. u. k. Museum" zuständig sein (mit Schatzkammer, Wagenburg, Hofjagd- und Rüstkammer, Lipizzaner Museum sowie Hofmobiliendepot). Das MAK schließlich erhält die Architektursammlung der Albertina und alles, was Alltagskultur ist. Die Großausstellungen will Zinggl zentralistisch konzipiert wissen: Eine dafür zu errichtende Gesellschaft soll ein Zugriffsrecht auf alle Exponate haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.01.2005)

Von
Thomas Trenkler
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