300 Millionen rund um Kitz & Co

4. Februar 2005, 11:20
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Die Ausgaben der Firmen für Sportsponsoring wachsen jährlich zweistellig. Die Bedeutung des Event-Bereichs wird in Zukunft auch weiter zunehmen

Wien - Auch die wirtschaftliche Elite gibt sich dieses Wochenende ein Stelldichein in Kitzbühel, das für die Werbewirtschaft genauso ein Highlight ist wie das Formel-1-Rennen in Monaco. Einladungen der Sponsoren zu den VIP-Events sind begehrt wie Opernballlogen, die Preise sind enorm. Sportsponsoring in Kombination mit VIP-Kundeneinladungen ist - unabhängig von der Konjunktur - ein Wachstumsmarkt, getreu dem Motto "Wirb oder stirb".

Experten schätzen, dass die großen Sponsoren wie Red Bull, Raiffeisen, Uniqa, Generali, Telekom oder BA-CA pro Jahr 300 Mio. Euro für Sportsponsoring ausgeben. Die jährlichen Steigerungsraten liegen zwischen zwölf und 15 Prozent. Kein Wunder bei den Preisen: In Kitzbühel müssen die Hotels für eine Woche bezahlt werden, obwohl sie nur am Rennwochenende genutzt werden. Die Goldkarte für das VIP-Zelt, wo es den ganzen Tag über kostenloses Essen und Getränke gibt, samt einer Tribünenkarte kostet 2652 Euro pro Person. Für ein Firmenlogo auf der Startnummer müssen geschätzte 500.000 Euro locker gemacht werden.

Die Sponsoren wiederum laden Kunden und Entscheidungsträger (meistens samt Begleitung) zum Event ein. Die Absicht ist klar: Mit den Kunden in einer angenehmen Atmosphäre auf Tuchfühlung zu gehen. Dahinter verbirgt sich die Hoffnung, beim Eingeladenen vielleicht so etwas wie ein schlechtes Gewissen zu erzeugen und eine Gegenleistung (Aufträge etc.) zu bekommen, sagte ein Sponsor, der nicht genannt werden wollte. "Ich muss den Topkunden oder solchen, die es werden sollen, etwas bieten, was sie sich mit Geld nicht kaufen können", berichtet Thomas Böck, verantwortlich für Sportsponsoring bei der Uniqa.

Qualität auf hohem Niveau

Die Bedeutung des Eventbereichs wird in den kommenden Jahren noch zunehmen, obwohl Raiffeisen-Marketingchef Leodegar Pruschak zugibt: "Eine Qualitätssteigerung ist fast nicht mehr möglich. Solange wir das sehr hohe Niveau halten, ist das gut." Die Ausgaben für das Sportsponsoring müssten sich mindestens im vier- bis fünffachen an Werbewertschöpfung (wie oft kommt das Logo in den Medien vor) bezahlt machen. Pruschak: "Hermann Maier hat in den ersten drei Wochen seines Comebacks den Werbewert eines Jahres hereingespielt."

Ähnlich große Veranstaltungen sind die Tennisturniere Generali Open (Kitzbühel) und die BA-CA-Trophy in der Wiener Stadthalle, Beachvolleyball in Klagenfurt oder das BA-CA Golfturnier. Generali-Marketingchef Tilman Buchner sagt, dass in Kitz die "Sideevents" genauso wichtig sind wie die Sportveranstaltung. Sportsponsoring sei vor allem deshalb bedeutsam, weil wegen des "extremen Werbelärms Werbung nicht mehr so wahrgenommen wird". Zu den Generali Open in Kitzbühel werden jährlich 2000 bis 3500 Kunden eingeladen.

"Get together"

Die BA-CA sponsert zwar nicht Kitzbühel, lädt aber während des Rennwochenendes die Vorstände der ATX-Firmen und internationale Analysten zu einem "Get together" ein.

Die Events finden in Kitzbühel in jedem Fall statt, egal ob gefahren wird oder nicht. Die Karten sind bezahlt und können nicht mehr retourniert werden. Es gibt aber auch Firmenchefs, die freiwillig auf Kitzbühel verzichten und am Samstag lieber das Techniker-Circle in Wien besuchen, wo die Firmen anstatt Tischen im VIP-Zelt Logen kauften. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.1.2005)

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