Landesrat schwänzte Spielberg-Gipfel

7. Februar 2005, 14:30
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Red-Bull-Mitschriften werfen kein gutes Licht auf die steirische Politik. Ein Sonderlandtag soll nun die Umstände des Flops klären

Spielberg/Graz - Neue, dem STANDARD vorliegende Protokolle der letzten Verhandlungsrunde in Wien zwischen Red Bull und dem Land Steiermark stellen der steirischen Landespolitik jetzt in Sachen Professionalität kein besonders gutes Zeugnis aus.

Zu diesem Treffen letzte Woche in einer Wiener Anwaltskanzlei, in der die Möglichkeiten einer Neueinreichung des vom Bundes-Umweltsenat abgelehnten Mega-Sportprojektes verhandelt wurde, reisten aus der Steiermark drei subalterne Beamte, darunter ein pensionierter, zum Red-Bull-Spitzenteam an. Es waren Mitglieder des steirischen "Expertenteams". Der Chef des Teams, VP-Wirtschaftslandesrat Gerald Schöpfer, fuhr erst gar nicht mit. In steirischen Regierungskreisen schlägt man jetzt die Hände über dem Kopf zusammen.

"Chefsache"

Zumindest in dieser allerletzten Minute hätte die Landesregierung alles in Bewegung setzen müssen - nachdem der Bundesumweltsenat das 700-Millionen-Euro-Projekt wegen unzulänglicher Genehmigungsverfahren der steirischen Bürokratie zurückgeworfen hatte - diese Großinvestition doch noch zu retten. Landeshauptfrau Waltraud Klasnic hätte das Projekt zur "Chefsache" erklären müssen und auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel oder Motorsportpersönlichkeiten wie Niki Lauda oder den Motorsport-Verantwortlichen bei Red Bull, Helmut Marko, mit ins Boot holen müssen. Immerhin ging es um die gegenwärtig größte Sport- und Bildungsinvestition des Landes.

Was schließlich beim Wiener Geheimtreffen letzte Woche in einer vertraulichen Absichtserklärung formuliert wurde, offenbart die Mitursache des Scheiterns des Großprojektes. Hierin verpflichtet sich das Land - wenn Red Bull ein adaptiertes Projekt wieder einreicht - unter anderem "Experten zur Verfügung zu stellen", eine "Abstimmung ... mit relevanten Landes- und Bundesstellen anzustreben". Von einem "Projektmanagement" ist die Rede ebenso wie von einer "raschen und kompetenten Verfahrensabwicklung". Vom Land wurde Hilfestellung versprochen, die eigentlich ab der Stunde null schon hätte vorhanden sein müssen, um Projekte dieser Größe optimal abzuwickeln. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz - der am bereits planierten Spielberg-Gelände zumindest die alte Rennstrecke wieder aufbauen will - reagierte umgehend und schickte Klasnic die Absage. Ohne sich noch einmal - wie ausgemacht - mit ihr zu treffen.

Sondersitzung

All diese Umstände des Scheiterns des Red-Bull-Projektes sollen am kommendem Mittwoch Gegenstand einer Sondersitzung des Landtages sein, in dem auch die Einrichtung eines U-Ausschusses zur Sprache kommt.

Der potenzielle neue Investor Hannes Androsch dämpft indessen euphorische Hoffnungen in ein Alternativprojekt. Es werde Monate dauern, bis in der Region um Spielberg ein neues Projekt spruchreif sein könne, sagt Androsch im STANDARD-Gespräch. Androsch plant mit seinem Luftfahrtunternehmen FACC gemeinsam mit EADS und der Montanuniversität in Leoben einen Standort für die Entwicklung und Produktion von Flugzeugteilen. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.1.2005)

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