Slovak-Übernahme politisch umstritten

7. Februar 2005, 14:32
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Slowakische Parlamentsabgeordnete kritisierten die "intransparente" Abwicklung der Übernahme ohne öffentliche Ausschreibung

Bratislava - Die Übernahme der Mehrheit an der slowakischen Fluglinie Slovak Airlines (SA) durch die Austrian Airlines (AUA) hat in der Slowakei politische Diskussionen ausgelöst. Mehrere Parlamentsabgeordnete kritisierten am Donnerstag und Freitag die "intransparente" Abwicklung der Übernahme ohne öffentliche Ausschreibung.

Einhellig betonten die Kritiker jedoch, die AUA sei als Investor willkommen. Ihre Kritik gelte nicht der österreichischen Firma, sondern lediglich der Form, wie sie zu ihrem Mehrheitsanteil in der SA gekommen sei.

Die AUA hatte im Zuge einer Kapitalerhöhung am Donnerstag den Mehrheitsanteil von 62 Prozent an der defizitären staatlichen slowakischen Fluglinie übernommen. Schon im vergangenen Herbst hatte sich die AUA den entscheidenden Einfluss auf die SA gesichert, indem sie die Bürgschaft für einen Kredit von fünf Mio. Euro übernahm. Weiters hatte die AUA die Führungsriege der in Turbulenzen geratenen slowakischen Fluglinie mit eigenen Managern unterstützt.

Kritik am Verkehrsministerium

Schon damals hatten slowakische Politiker, aber auch Vertreter konkurrierender Fluglinien, das slowakische Verkehrsministerium kritisiert. Das Ministerium habe eine spätere transparente Privatisierungsausschreibung unmöglich gemacht, indem es dieser Bürgschaft zugestimmt habe, lautete schon damals der Vorwurf. Mit der nunmehrigen Mehrheitsübernahme durch die AUA ohne öffentliche Ausschreibung fühlen sie sich in ihren damaligen Befürchtungen bestätigt.

Vertreter der mitregierenden slowakischen christdemokratischen Bewegung verlangen nun eine Erklärung von Verkehrsminister Pavel Prokopovic im Parlament. Außerdem muss auch noch das slowakische Antimonopolamt formell innerhalb von 60 Tagen die Korrektheit der Übernahme überprüfen, damit sie wirksam werden kann.

Rote Zahlen

Die seit 1998 operierende Slovak Airlines (Slovenske Aerolinie, SA) wurde als nationale slowakische Fluggesellschaft gegründet, nachdem die Slowakei nach der Teilung der Tschechoslowakei 1993 ohne ein einziges Flugzeug dastand. Zu Höhenflügen konnte sich die SA aber nie aufschwingen - seit mehr als fünf Jahren schreibt sie rote Zahlen. Die Airline besitzt eine Boeing 737, mit der regelmäßig die Strecke Bratislava - Moskau bedient wird. Der Großteil des Geschäfts entfällt auf den Charterverkehr. Der größte Carrier in der Slowakei ist der Billigflieger SkyEurope, der mit 13 Flugzeugen Destinationen in Mitteleuropa anfliegt.

Die AUA sieht sich als Zentral- und Osteuropa-Spezialist und ihren "erweiterten Heimmarkt" in der Wirtschaftsregion Wien-Bratislava. Auf Basis des Spezialisierungsprogramms "Focus East" bietet die AUA-Gruppe derzeit 39 Ziele in 23 Ländern und mehr als 450 wöchentliche Flüge in dieser Region an. (APA)

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