Opel-Belegschaft unterstützt Sanierung

3. Februar 2005, 15:26
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5.600 Mitarbeiter haben sich bereits zu einem freiwilligem Abgang mit Afindung bereiterklärt

Rüsselsheim - Der Autokonzern Opel kann bei seiner harten Sanierung auf die Unterstützung der Belegschaft bauen. Bisher haben nach Betriebsratsangaben konzernweit 5.600 Mitarbeiter eine Erklärung unterschrieben, dass sie freiwillig mit einer Abfindung das Unternehmen verlassen werden. Die Zahl der Interessenten entspricht damit nahezu den Erwartungen des Mutterkonzerns General Motors (GM) von 6.500 Mitarbeitern.

Betriebsrat glaubt an keine betriebsbedingten Kündigungen

"Ich bin zuversichtlich, dass wir die Zahl erreichen und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden können", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz nach einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim. Rund 6.800 Mitarbeiter hätten sich bereits über das Angebot beraten lassen. Das Interesse sei im Stammwerk Rüsselsheim und im Werk Bochum gleich hoch.

Die Verträge sollen in den nächsten Tagen ausgearbeitet werden. Dabei werde geprüft, ob Opel auf den Mitarbeiter und seine Qualifikation verzichten könne. Um mehr Zeit zu haben, werde das Ende der Frist vom 31. Jänner auf den 25. Februar verlängert, kündigte Franz an. "Der Zeitraum wäre zu kurz gewesen, um das ordentlich und sauber abzuwickeln." Die Mitarbeiter werden dann mit der Abfindung in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln.

Attraktives Abfindungsangebot

In Rüsselsheim haben nach Worten des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Darmstadt, Günter Lorenz, bis Wochenanfang 1.300 Opel- Mitarbeiter eine Willenserklärung unterschrieben. "Das Abfindungsangebot ist äußerst attraktiv, teilweise wird das Siebenfache des Normalen gezahlt", sagte Lorenz der dpa. Ein 50 Jahre alter Mitarbeiter, der seit 30 Jahren bei Opel beschäftigt ist und 3600 Euro verdient, erhält eine Abfindung von 216.000 Euro vor Steuern.

"Jetzt geht es in die entscheidende Phase", sagte Lorenz. Es werde trotz der Fristverlängerung keine Nachteile für ältere Mitarbeiter über 45 Jahre geben. Normalerweise würden sie bei einem Wechsel nach dem 28. Jänner nicht mehr zwei Jahre, sondern nur noch ein Jahr Arbeitslosengeld erhalten. "Ihre Verträge werden jetzt vorgezogen", kündigte Franz an.

GM will jeden Dritten abbauen

Am Standort Bochum sind bisher 600 Verträge unterschrieben worden, sagte der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel. Viele Beschäftigte wollen auch noch die Erklärungen zur Lage von Euro- Vizechef Carl-Peter Forster abwarten, der kommenden Freitag auf einer Belegschaftsversammlung in Bochum erwartet wird.

Der Betriebsrat informierte am Freitag die Belegschaft in Rüsselsheim über den Stand der Sanierung. GM will insgesamt bei Opel jeden dritten der 32.000 Arbeitsplätze streichen, um Opel wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Im Jahr 2004 hatte die Automarke mit dem Blitz nach Medienberichten einen operativen Verlust von bis zu 600 Mio. Euro verbucht. Falls zu wenige Mitarbeiter einen Abfindungsvertrag unterschreiben, muss eine Einigungsstelle unter einem Arbeitsrichter eine Lösung finden. Es werden nicht automatisch Kündigungen ausgesprochen.

Der Stellenabbau ist nur der erste Schritt der Opel-Sanierung. Management und Arbeitnehmervertreter verhandeln weiterhin über eine Standortsicherung, über die künftige Modellvergabe und den Abbau übertariflicher Leistungen. Offen ist nach wie vor, an welchem Standort die neue GM-Mittelklasse (Opel Vectra und Saab 9-3) gebaut wird. Diese Verhandlungen können sich bis zum zweiten Quartal 2005 hinziehen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Opel Arbeiter in Bochum.

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