JoWooD-Vorstand muss Hut nehmen

3. Februar 2005, 14:48
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Vertrag von Gründer Tobler nach Umsatzwarnung nicht verlängert - Nachfolger Seidl soll Vertriebsstruktur verbessern

Wien - Nach der überraschenden Umsatz- und Gewinnwarnung vom vergangenen Freitag verlässt JoWooD-Gründer und Vorstand Andreas Tobler nun das Unternehmen. Der bisherige Verantwortliche des Bereiches Capital Markets der Capital Bank, Albert Seidl, sei mit Wirkung ab 28. Jänner als neuer Vorstandsvorsitzender nominiert, hieß es am Freitag in einer ad-hoc-Aussendung. Aufsichtsrat und Vorstand hätten "diese einvernehmliche Lösung zur Hebung des Potentials" der JoWooD getroffen.

Umsatzziele deutlich verfehlt

Das deutliche Verfehlen der Umsatzziele für 2004, die daraus resultierende Umsatzwarnung, die kritischen Anmerkungen einiger Aktionäre im Zuge der außerordentlichen Hauptversammlung vom letzten Freitag sowie die nicht zufrieden stellende Internationalisierung des Vertriebes hätten den Aufsichtsrat "zum Handeln veranlasst", hieß es weiter. Der Vorstandsvertrag von Tobler, zuletzt Vorstand für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Produktmanagement, sei "einvernehmlich nicht verlängert" worden.

Der designierte neue Vorstand müsse nun jene Veränderungen herbeiführen, "die der Hebung des erheblichen Potenzials von JoWooD und insbesondere der Spielepipeline 2005 entsprechen", die Vertriebsstruktur verbessern, alle Vertriebspotenziale nützen und eine Strategie finden. Seidl habe sich bereits in den vergangenen Jahren "hervorragend um die Entwicklung der JoWooD verdient gemacht". Wesentlich sei gewesen, dass der neue Vorstand das Unternehmen und dessen Möglichkeiten kenne und seine Agenden unmittelbar ausführen könne.

Tobler werde dem Unternehmen in der Übergangszeit beratend zur Verfügung stehen. Der Aufsichtsrat anerkenne dessen "erheblichen Leistungen, das Engagement und den Enthusiasmus" für das Unternehmen, bemerkte Aufsichtsratsvorsitzender und Magna-Sprecher Andreas Rudas.

An Insolvenz vorbei geschrammt

JoWooD - 2002 knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt - sprach zuletzt von Defiziten in seiner Internationalisierung: Die im Vorjahr eingegangene strategische Partnerschaft mit der US-Firma Fluent habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Das Potenzial der Spielepipeline wurde zuletzt mit "40 Mio. Euro Umsatz und mehr" beziffert. Für 2004 hatte JoWooD die Umsatzprognose von zuvor 22 bis 25 auf 21 Mio. Euro zurück geschraubt. Mitte Dezember war der gesamte Aufsichtsrat nach Differenzen mit dem Vorstand überraschend zurück getreten.

Die JoWooD-Aktie stieg heute gegen 13 Uhr um 2,94 Prozent auf 1,40 Euro. Die Aktie hatte allerdings seit der Umsatzwarnung vom vergangenen Freitag mehr als 20 Prozent verloren. (APA)

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