Rufus Wainwright: "Want Two"

    4. Oktober 2005, 11:49
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    Barocke Opulenz vermischt mit Song­writer­qualitäten ergibt ein einmaliges Hörerlebnis

    Eine Tür knarrt leise, von der Ferne sind sanfte Streicher zu hören, die, so scheint es, immer näher kommen - nur noch einen Schritt und schon befindet man sich mitten in der Welt von Rufus Wainwright. Gleich die sechs minütige Ouvertüre "Agnus Dei" lässt erahnen, wie diese aussieht - opulent, barock, zum Teil überbordend, vielleicht auch etwas melodramatisch, aber auf alle Fälle außergewöhnlich.

    Nachdem er im ersten Track das Lamm Gottes besingt um die Welt von ihren Sünden zu befreien, beweist er in den Songs "The One You Love" und "Little Sister" seine Songwriterqualitäten. Seine Lieder handeln von Liebe und Entbehrung, dabei zieht es ihn auch immer wieder ins Metaphysische und Religiöse. Gänsehaut prädestiniert ist "The Art Teacher", eine Ode an unerfüllte Liebe. "He had taken our class to the Metropolitan Museum/ He asked us what our favorite work of art was/ But never could I tell him it was him/ Oh, I wish I could tell him/ Oh, I wish I could have told him"

    Die Songs zu "Want Two" entstanden bereits während der Sessions zum Vorgängeralbum "Want One", aus diesem Grund sind auch die selben Personen beteiligt. Es ist ein Familienalbum. Als Sohn der Musikerin Kate McGarrigle und dem Songwriter Loudon Wainwright III, ist die musikalische Beteiligung von anderen Familienmitgliedern auch naheliegend. Neben seiner Mutter wurde er für dieses Album auch von seiner Schwester und seiner Tante unterstützt. Darüber hinaus sind auch wieder der Produzent Marius de Vries, die Gitarristen Charlie Sexton und Gerry Leonard mit von der Partie.

    Auf seinem mittlerweile viertem Album kombiniert der 31-Jährige Folk, Chansons und Klassik, wie kein anderer. Manchmal glaubt man in einem Opernhaus mit großen Ochester zu sitzen, wäre da nicht der ganz und gar nicht ins klassische Konzept passende Gesang von Wainwright. Im nächsten Moment ist die Musik wieder auf reine Untermalung reduziert, um die Aufmerksamkeit auf die sonore Stimme des Sängers zu lenken. Ein berauschendes Album - want more. (ost)

    Rufus Wainwright
    Want Two
    Dreamworks (Universal)

    Rufus Wainwright
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