Muzicant: "Skandalöses Verhalten" von Gratz

19. Dezember 2005, 15:02
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Der ehemalige Wiener Bürgermeister und Nationalratspräsident war "schwer verstimmt" aus dem Bund Sozialdemokratischer Akademiker ausgetreten

Wien - Unverständlich ist für den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, dass im Zusammenhang mit der Diskussion über "braune Flecken" in der SPÖ der ehemalige Wiener Bürgermeister und Nationalratspräsident Leopold Gratz "schwer verstimmt" aus dem Bund Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) ausgetreten ist. Muzicant erinnerte auf das "skandalöse Verhalten" von Gratz beim SPÖ-Parteitag 1970. Damals habe Gratz auf die "berechtigte Kritik von Simon Wiesenthal" das "so genannte Dokumentationszentrum" eine "private Spitzel- und Staatspolizei" genannt.

Außerdem habe Gratz damals gemeint, "es wird sich bald zeigen, ob diese Stadt die private Femeorganisation des Ing. Wiesenthal noch braucht", so Muzicant. Dies alles sei in einer "Zeit der Freisprüche von NS-Verbrechern und einer quasi Generalamnestie durch die Regierung Kreisky-Broda" geschehen. 1970 habe der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky eine "Reihe von ehemaligen Nazis, darunter auch den SS-Untersturmführer Johann Öllinger, in seine Regierung geholt".

Entschuldigung

35 Jahre später "steht diesem skandalösen Verhalten zahlreicher damaliger SPÖ-Granden weder eine Rücknahme dieser Erklärungen" von Gratz "noch eine Entschuldigung gegenüber Simon Wiesenthal entgegen", betonte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.

Der "Kurier" hatte berichtet, dass wegen einer jüngst vorgelegten Studie zum Umgang des BSA mit seinen "braunen Flecken" zwei prominente BSA-Mitglieder ausgetreten sind. Neben Gratz auch der langjährige Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, Siegfried Sellitsch. (APA)

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    Leopold Gratz im Rahmen seines 75 Gebutstages im Oktober 2004 im Parlament.

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