Novartis hält an seinem Sorgenkind Sandoz fest

3. Februar 2005, 14:46
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Sandoz ist mit einem rapiden Verfall der Margen konfrontiert. Dennoch will der Novartis-Konzern das Sorgenkind behalten und sanieren

Der Schweizer Novartis-Konzern musste im Vorjahr trotz abermaligen Rekordgewinns eine Ergebnishalbierung seiner Generikasparte hinnehmen. Die Sparte, die als Sandoz firmiert und ihr Headquarter in Wien hat, leidet unter Preisdruck, verstärktem Wettbewerb aus Asien und dem schwachen Dollar.

Dennoch will der unter den Top-sechs-Pharmafirmen der Welt gereihte Konzern am Geschäft mit Nachbau-Medikamenten festhalten. "Wir haben keine Pläne, Sandoz abzugeben", sagte Novartis-Chef Daniel Vasella bei der Präsentation der Bilanzzahlen am Donnerstag in Basel. Es gebe gute Gründe, das Generikageschäft trotz starken Margendrucks im Konzern zu halten - etwa Synergien in Produktion und Vertrieb. Die Produktionsstandorte in Europa, darunter Kundl in Tirol, müssten jedoch noch produktiver werden. Mit der Sanierung der Generikasparte, die 2004 trotz eines um fünf Prozent auf gut drei Mrd. Dollar erhöhten Umsatzes eine Gewinnhalbierung auf 235 Mio. Dollar (180,8 Mio. Euro) hinnehmen musste, ist seit November der Deutsche Andreas Rummelt betraut. Er hat den Österreicher Christian Seiwald abgelöst, der sich auf seinen Job als Chef von Novartis Austria und Geschäftsführer der Novartis Pharma GmbH konzentriert.

Die Produktion von Wirkstoffen für Standardprodukte soll in einem neu errichteten Werk in Indien erfolgen; an den teureren (west-)europäischen Standorten will man die Herstellung semisynthetischer Biopharmaka forcieren.

Produktionserweiterungen an den Tiroler Standorten Kundl und Schaftenau, wo 2570 der zu Novartis Austria zählenden 3150 Mitarbeiter beschäftigt sind, seien "kein Thema", wohl aber Investitionen zur Verbesserung von Produktionsabläufen.

Das Generikageschäft macht bei Novartis knapp elf Prozent des Konzernumsatzes von 28,3 Mrd. Dollar aus. Das operative Konzernergebnis hat sich um elf Prozent auf 6,5 Mrd. Dollar verbessert.

Heuer rechnet das Management mit einem Wachstum "im hohen einstelligen Prozentbereich". Novartis Österreich war 2004 mit einem Umsatzrückgang konfrontiert - und zwar um 10,2 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Der Umsatz von Sandoz Österreich brach auf eine Mrd. Euro ein. (DER STANDARD Printausgabe 20.01.2005)

Günther Strobl aus Basel
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