Siedlung für Radler am Nordbahnhof: Freizeitanlagen statt Parkplätze

24. Februar 2005, 15:31
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In zwölf bis 18 Minuten in die City - auf dem Rad, selbstredend - 130 Wohnungen sind geplant

Wien - Wohnungen für Autofahrer sind die Normalität. Eine Siedlung für Nicht-Autofahrer gibt es bereits. Und als nächstes werden Wohnungen entstehen, in denen sich - Radfahrer strampelwohl fühlen sollen.

Der Grüne Christoph Chorherr kann sein Projekt einer "Bike City" nun doch realisieren - nachdem es in der Brigittenau am Bezirkswiderstand gescheitert war. Jetzt sollen die rund 130 Wohnungen in der Leopoldstadt, auf dem Nordbahnhofgelände Ecke Vorgartenstraße/ Walcherstraße gebaut werden.

Zwölf bis 18 Minuten in die City

Das Angebot dieser Anlage wird sich speziell an "Alltagsradler" richten, die auch unter der Woche überwiegend strampeln. Wichtig ist Chorherr dabei erstens die Zentrumsnähe - "rund zwölf bis 18 Minuten in die City". Auf dem Rad, selbstredend.

Freizeitanlagen statt Parkplätze

Dazu kommen weitere Sondereinrichtungen, die durch die Reduktion der Autoparkplätze finanziert werden. Es sollen pro Wohnung nicht je ein Parkplatz, sondern im Schnitt nur 0,4 bis 0,5 Stellplätze gebaut werden. "Das erspart rund 800.000 Euro", rechnet Chorherr vor - "und damit kann man sich dann beispielsweise großzügige Abstellanlagen für Fahrräder und eine große hauseigene Fahrradwerkstätte leisten." Für Abkühlung nach dem Radeln soll ein Swimmingpool sorgen; die übersäuerten Muskeln wird man in der Sauna lockern können. Weiters soll es anstelle der Parkplätze anmietbare Sondernutzungsräume wie Bastelraum, Atelier oder Weinkeller geben.

Fahrradtauglicher Lift

"Alles soll mitbedacht werden", so Chorherr, "bis hin zum Aufzug, der groß genug sein soll, damit jemand sein teures Rad, wenn er will, auch mit in die Wohnung nehmen kann." Dazu soll es in der Anlage auch Service- und Verleihdienste geben, aber auch "Car Sharing", falls Bewohner kein Auto besitzen, aber gelegentlich eines nützen wollen.

Dieses Projekt ist mit den Stadträten Rudolf Schicker (Planung) und Werner Faymann (Wohnbau), sowie mit dem Bezirk bereits akkordiert. Die Widmung soll bis zum Sommer abgewickelt werden, Baubeginn ist 2006, Fertigstellung 2007/08. Bauträger wird die Gesiba sein.

Erster Anlauf scheiterte am Stellplatzangebot

Dass der erste Anlauf in der Brigittenau daran scheiterte, weil der Bezirk auf ein 1 :1-Stellplatzangebot beharrte, wollte Chorherr am Donnerstag - "nicht dementieren". (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 21.1.2005)

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